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20.04.20261 Leserbrief
- → Kapital & Arbeit
Milei schröpft Argentiniens Rentner
Pläne zur Abschaffung von PAMI, der größten öffentlichen Krankenversicherung für Senioren
Das Gesundheitssystem Argentiniens steht unter Druck: Arme Senioren befürchten, bald ohne Medikamente und ärztliche Versorgung auskommen zu müssen. Denn der ultrarechte Präsident Javier Milei will das Programa de Atención Médica Integral (PAMI) abschaffen. Das ist der größte öffentliche Krankenversicherer für Menschen ab 70 Jahren, der vom Gesundheitsministerium verwaltet wird und mehr als fünf Millionen Menschen versorgt.
Menschen im hohen Alter seien »eine enorme Belastung« für PAMI, deutete Gesundheitsminister Mario Lugones auf der jährlichen Wirtschaftskonferenz »Amcham Summit« in Buenos Aires vergangene Woche an, dass das Programm zur Disposition steht. Zeitgleich streikten Ärzte für drei Tage, nachdem ihre Honorare für jeden behandelten Patienten um 50 Prozent gekürzt worden waren.
»Lugones ist 78 Jahre alt. Ich kann mir kaum vorstellen, wie er sich selbst als Belastung für das Gesundheitssystem sehen könnte«, wies Mónica Roqué, Präsidentin der Lateinamerikanischen Vereinigung für Gerontologie, das Ansinnen des Gesundheitsministers zurück. Oscar Atienza, ein Arzt im öffentlichen Gesundheitswesen der Provinz Córdoba, erklärte dazu: »Die Aufgabe des Gesundheitsministers besteht darin, die Ressourcen so zu verwalten, dass ältere Menschen Zugang zu Medikamenten und Lebensmitteln haben.« Die Politik hingegen führe zu Mangelernährung unter alten Menschen.
Seit dem Amtsantritt der Regierung von Javier Milei verschärft sich laut Atienza die Situation: »Sie haben mittlerweile 55 Medikamente aus dem Vademecum gestrichen, was bedeutet, dass für diese Medikamente keine Rabatte mehr gewährt werden.« Außerdem seien viele kostenlose Medikamente abgeschafft, andere durch »ein lächerliches Formular« limitiert worden. Inzwischen müsse man angeben, ob man ein Boot besitzt, und Nachweise für den Bezug der Mindestrente (240 Euro) erbringen, um Zugang zu kostenlosen Medikamenten zu erhalten. Oftmals könnten Bedürftige die großen Entfernungen von ihrem Wohnort zu den über das ganze Land verteilten Geschäftsstellen nicht zurücklegen, »um das zu klären, so dass sie ohne Medikamente dastehen«.
Viele Rentner können sich ihre Medikamente aufgrund dieser Kürzungen nicht mehr leisten und sind daher gezwungen, die Behandlung ihrer Erkrankungen abzubrechen. »Im Jahr 2024 starben 22.000 ältere Menschen mehr als im Jahr 2023«, warnte Roqué. Dies geht aus der jüngsten Bevölkerungsstatistik hervor, die ausgerechnet das Ministerium erstellt, das älteren Menschen die Sozialleistungen entzieht. Die höhere Sterblichkeit wird offenbar billigend in Kauf genommen.
Das Problem: PAMI steht mächtig in der Kreide. Laut Atienza hat es Schulden in Höhe von über 500 Milliarden Pesos angehäuft. »Man beabsichtigt, Hausärzten 2.100 Pesos (1,32 Euro) für jeden behandelten Patienten zu zahlen«, sagt er. Im Landesinneren müsse ein großer Teil der Rentner seit mindestens 15 Tagen ohne Medikamente auskommen, da die Lieferanten aufgrund der Schulden nicht mehr liefern.
»Das ist ein Alptraum für das Gesundheitswesen«, meint Atienza, zumal nicht nur PAMI finanziell überlastet sei. Diese Situation fördere die Privatisierung des Gesundheitssystems und zeitige schon jetzt weitere erschreckende Folgen: Die Säuglingssterblichkeit in Argentinien sei nach 24 Jahren der Stabilität wieder gestiegen, die Müttersterblichkeit auf 37 Prozent geklettert. PAMI habe zudem Schulden bei Apotheken und Optikern, so dass Rentner nicht mal kostenlose Brillen bekämen.
Das Gesundheitswesen hat für Mileis Regierung keine Priorität. Zwischen 2023 und 2024 sanken die Haushaltsausgaben des Gesundheitsministeriums real um 31 Prozent. 2025 folgte eine weitere Kürzung um 13 Prozent, wodurch sich der kumulierte reale Rückgang gegenüber 2023 laut Daten der Fundación Soberanía Sanitaria – einer Organisation, die sich der Diskussion über politische Maßnahmen für ein gerechtes und inklusives Gesundheitssystem widmet – auf ganze 34 Prozent beläuft.
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Onlineabonnent*in Joachim S. aus B. 20. Apr. 2026 um 08:04 UhrMan lese unter »Austerität« nach, welch abgeschmacktem Konzept Milei folgt. Dass es stets gescheitert ist, macht ihm nichts aus. Bis auch er scheitert, wird das Volk bluten, damit die Reichen schlemmen können. Oder ihm rechtzeitig in den Hintern treten müssen.
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