Kleines Wort, große Bedeutungen: Kraut
Die Existenz von Unkraut und der Spruch, gegen diese Unbill oder jenes Zipperlein sei kein Kraut gewachsen, zeigen, dass Kraut zunächst einmal etwas Gutes ist. Das meiste Unkraut übrigens auch: Wenn Sie es nicht selbst essen wollen, dann gewiss gerne Ihr Schaf oder Pferd. Unkraut ist ja kein Nicht-, nur unerwünschtes Kraut. Und das ist eine heilsame oder aromatische kleine Pflanze (Kräuterhexe der Provence), Kohl in Streifen (Blaukraut bleibt Rotkohl, weil es in der deutschen Sprache lange kein Violett und Lila gab) und die nicht weiter definierbare Menge (crowd) wie das rheinische Rübenkraut: süß, leicht bitter, klebrig, schwarz, zähflüssig, monoingredient (es gibt exakt eine Zutat: Zuckerrüben) und auf Frischkäse und im Joghurt eine Wonne.
Sind Moose Kräuter? Fragen Sie den Bryologen Ihres Vertrauens, der wird Ihnen sagen, dass die Diplohaplonten vor circa 400 Millionen Jahren entstanden sind und in mancher Medizin Verwendung finden, also vermutlich ja.
Kraut ist allerdings bei den Angelsachsen auch eine abwertende Bezeichnung für den Deutschen, ganz wie Fritz, Hunne und Jerry. Von diesen im Kindermund auch Ethnophaulismen genannten Wörtern gibt es eine ganze Reihe, und jedes hat seine Geschichte. Die Niederländer nennen ihre teutonischen Nachbarn Moffen, die Franzosen Boches, die Österreicher Piefkes und Marmeladinger, die Italienerin sagt Crucco und in Russland sagte man früher колбасник (Kolbasnik), Wurstmacher. Auf dem Balkan und in Polen nutzt man Formen von »Schwabe«, während Schwob in der Schweiz langsam durch das auch nicht sehr schmeichelhafte Wort Gummihals abgelöst wird. Auch Kartoffel setzt sich mehr und mehr durch, analog zu Spaghetti für die italienischen Freunde. »Marco, seit wann bleibst du an der roten Ampel stehen? Du bist schon ein richtiger Kartoffel!«
Dann doch lieber Kraut. Kraut kann man rauchen. Und Krautrock ist sicher nicht das Schlechteste, was deutsche Musikanten hervorgebracht haben: Amon Düül II, Can, Neu!, Birth Control, Popol Vuh, Novalis, Floh de Cologne …
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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