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Tarifrunde Seehäfen

Angebot fast unverändert

Tarifrunde drei: Seehafenverband macht minimales Zugeständnis; Abstimmung folgt

Von Mirko Knoche
Foto: Ulrich Perrey/dpa
Beschäftigte demonstrieren vor dem Gelände des HHLA-Containerterminal Burchardkai in Hamburg (18.8.2026)

Die Warnstreiks in den deutschen Seehäfen Anfang vergangener Woche haben für leichte Bewegung im Unternehmerlager gesorgt. 5,1 Prozent mehr Geld für 18 Monate (vorher 19 Monate) und eine neue Mindesterhöhung der Löhne auf umgerechnet über 20 Euro pro Stunde – das bot der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) für die 11.000 Beschäftigten in der dritten Verhandlungsrunde mit der Gewerkschaft Verdi in Hamburg am Montag und Dienstag dieser Woche. Dazu kommen 150 Euro mehr Urlaubsgeld für alle und eine aufgestockte Zulage für Containerbetriebe auf insgesamt 5.000 Euro jährlich. Vor den Streiks hatte der ZDS ein weiteres Angebot noch ausgeschlossen.

Damit habe man den »vorhandenen Spielraum sehr weit ausgeschöpft«, behauptete ZDS-Chefverhandler Torben Seebold in einer Mitteilung. Verdi hatte 8,2 Prozent mehr Geld bei zwölf Monaten Laufzeit gefordert, mindestens jedoch 2,50 Euro Plus pro Stunde. 24 Stunden lang ging deshalb an den Kais in Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Wilhelmshaven, Brake und Emden von Montag abend bis Dienstag abend vergangener Woche so gut wie gar nichts mehr. Tausende Docker zogen in Protestmärschen durch die Häfen und machten ihrem Unmut Luft.

Verdi-Verhandlungsführerin Sylvi Krisch bezeichnete es im jW-Gespräch als »gewerkschaftspolitischen Durchbruch«, eine Mindestkomponente von 1,20 Euro mehr pro Stunde in den zähen Verhandlungen durchgesetzt zu haben. Offen bleibe aber, ob das gerade in den Hochlohncontainerhäfen ausreiche, um für Zufriedenheit zu sorgen. Falls sich die Belegschaft erneut gegen das ZDS-Angebot ausspricht, würden Warnstreiks von 24 Stunden Dauer dann aber nicht mehr ausreichen, warnte Krisch die Gegenseite.

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Verdi-Tarifbotschafter bemängelten das Angebot gegenüber jW hingegen vom Volumen her als »fast unverändert«. Denn ein Monat weniger Laufzeit bedeutet nach einer einfachen Berechnungsmethode weniger als 0,2 Prozent Plus im Vergleich zu vorher – jetzt rund 3,4 Prozent auf Jahresbasis. Numerisch gleichen die weiteren Variablen eher einem Verschiebebahnhof. Die neue Mindesterhöhung von 1,20 Euro extra pro Stunde wird gegenfinanziert mit einer halbierten Urlaubsgeldsteigerung für alle. Noch vor dem Warnstreik lag das Angebot hierfür bei 300 Euro. Im Gegenzug werden die Hafenarbeiter in den Containerbetrieben mit 616 Euro mehr Jahreszulage bedacht, statt mit dem vorher gebotenen Zuwachs von 460 Euro. Die Abstriche von 150 Euro beim Urlaubsgeld würden für die Hochlohnbeschäftigten also wieder ausgeglichen.

Ob die neue Offerte der Unternehmer ausreicht, wird eine Befragung der Belegschaft bis Montag morgen ergeben. »Jede und jeder kann für sich ausrechnen, ob es reicht oder nicht«, sagte Verdi-Funktionärin Krisch in einer Erklärung, »ob das Angebot also angenommen werden soll oder wir erneut in den Streik für mehr gehen.« Dafür strömen die Tarifbotschafter zurück in die Betriebe. Am Mittwoch vormittag waren sie noch per Videokonferenz der Bundestarifkommission zugeschaltet.

»Jetzt müssen sich noch mehr Kollegen an der Rückkopplung beteiligen als nach der zweiten Runde und die Streikbereitschaft darf nicht sinken«, beschrieb ein Tarifbotschafter gegenüber jW seine Aufgabe, falls es zu einem erneuten Ausstand kommen sollte. Neben der sozialen Komponente war besonders die Forderung nach einer zwölfmonatigen Laufzeit in den Fokus der Auseinandersetzung gerückt. Krisch offenbarte jW, dass die Unternehmer den einjährigen Abschluss aber zurückgewiesen hätten, solange eine Mindesterhöhung vereinbart werde.

Die Hafenbetreiber pochen wiederum darauf, sie hätten sich »erheblich bewegt«. Man liege deutlich über der Chemieindustrie, wo 4,6 Prozent mehr Geld bei 27 Monaten Laufzeit vereinbart worden waren, so die Mitteilung des ZDS. Im jW-Gespräch sagte Hauptgeschäftsführer Florian Keisinger, der Verband warte nun die Beratungen der Gegenseite ab. Er verwies darauf, dass die Seehafenbetriebe »darauf setzen«, dass Verdi und die Beschäftigten die »Chance für einen Abschluss« nutzen. Am Montag erhalten sie die Antwort darauf.

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.08.2026, Seite 5, Inland

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