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Hafenarbeiter vor Entscheidung
Unternehmer legen »finale« Offerte vor – Belegschaften beraten über Annahme oder Streik
Der Zentralverband der Deutschen Seehäfen (ZDS) bietet den Hafenarbeitern in Norddeutschland 5,1 Prozent mehr Lohn bei 19 Monaten Laufzeit. Umgerechnet auf zwölf Monate sind das gut 3,2 Prozent Plus. In der zweiten Verhandlungsrunde in Bremerhaven am Mittwoch und Donnerstag legten die Unternehmer der Gewerkschaft Verdi ihre »finale« Offerte vor. Ob es sich wirklich um das letzte Angebot handelt, hängt nun von den Belegschaften ab. Die diskutieren bis nächsten Freitag über Annahme oder Streik.
»Wir erkennen das als Zeichen an, dass auch die Arbeitgeber an einer seriösen Tarifrunde interessiert sind«, sagte Verdi-Chefverhandlerin Sylvi Krisch am Freitag in einer Mitteilung. Entschieden sei aber noch nichts. Denn seit Freitag vormittag werden die Beschäftigten in den Prozess eingebunden. Um 10 Uhr begann eine Videoschalte der Tarifkommission mit den Tarifbotschaftern aus den Betrieben, die insgesamt rund 100 Beteiligte umfasste.
Das Verfahren war eingeführt worden, weil sich in den letzten Tarifrunden Unmut unter den Hafenarbeitern über vermeintlich vorschnelle Abschlüsse geregt hatte. Nach der ersten Verhandlungsrunde hatte sich eine Mehrheit noch für Abwarten entschieden. Jetzt hat die Unternehmerseite klargemacht, dass am runden Tisch das vorerst letzte Wort gesprochen sei.
Das Angebot enthält neben der Lohnerhöhung eine Steigerung der jährlichen Zulage für Arbeiter in Containerhäfen um 460 Euro sowie 300 Euro mehr Urlaubsgeld für alle ab 2027. Außerdem verzichten die Hafenbetreiber auf Nullmonate, die Offerte gilt rückwirkend ab dem 1. August 2026. Gefordert hatte Verdi 8,2 Prozent mehr Geld für 12 Monate, mindestens jedoch 2,50 Euro mehr pro Stunde als soziale Komponente. Die wird nun durch das für alle Lohngruppen gleichermaßen erhöhte Urlaubsgeld abgebildet.
Noch am Dienstag hatten die Verhandlungsspitzen der Gewerkschaft ein »ordentliches Draufsatteln« vom ZDS verlangt. Das Angebot der ersten Runde betrug noch 5,3 Prozent mehr bei 24 Monaten Laufzeit, umgerechnet also knapp 2,7 Prozent jährlich. Die Hafenbetreiber haben jetzt also rechnerisch ein halbes Prozent Lohnerhöhung obendrauf gepackt.
Weil in den bisherigen Tarifgesprächen das Ende der Fahnenstange erreicht ist, bleibt den Hafenarbeitern noch das Mittel der Arbeitsniederlegung. Wenn sich eine Mehrheit der Befragten unter den 11.000 Beschäftigten in Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Emden, Brake und Wilhelmshaven für Arbeitskampf ausspricht, will die Bundestarifkommission von Verdi dem Votum folgen. Formal hat sie das letzte Recht, zu beschließen. Eine Entscheidung gegen die Belegschaften ist aber nicht gewollt. Ebenso werde die Kommission einer möglichen Empfehlung für die Annahme des ZDS-Angebots entsprechen.
Den Tarifbotschaftern im größten deutschen Seehafen Hamburg soll die Nachbesserung der Unternehmer nach jW-Informationen allerdings nicht sonderlich geschmeckt haben. So läge das jetzige Angebot auf Jahresfrist umgerechnet noch unter der Hälfte der ursprünglichen Forderung von 8,2 Prozent. Zudem sei die soziale Komponente für die unteren Lohngruppen nicht ausreichend berücksichtigt. Denn einen Mindestbetrag bei den Löhnen hätte der ZDS in der zweiten Gesprächsrunde verweigert.
Doch bleibt offen, wie sich die Hafenarbeiter in den Betrieben zum vorläufigen Verhandlungsergebnis äußern werden. Zumindest eine Lohnsteigerung merklich über der Teuerungsrate hat ihre Verhandlungskommission durchdrücken können. Denn die Unternehmer wissen, dass ein Streik sie teuer zu stehen kommen würde. Der Containerumschlag gilt als Flaschenhals der Logistikketten in der BRD. Ihn zuzudrehen, verursacht hohe ökonomische Schäden.
Geradezu allergisch reagierten die Hafenbetreiber auf die in den letzten Jahren aufgeflammte Streiklust der Beschäftigten. 2022 stoppten sie den ersten tariflichen Arbeitskampf seit mehr als 40 Jahren vor Gericht. Vom städtischen Kaiunternehmen HHLA hagelte es im November 2023 massenweise Abmahnungen, als Schicht nach Schicht gegen den Teilverkauf an die Schweizer (!) Reederei MSC in den wilden Streik trat.
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