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Krise der Automobilindustrie

Blume drängt auf harte Einschnitte

Konzernchef erklärt sich vor Arbeitern in VW-Werken, bleibt vage und erhält Widerworte von der Betriebsratschefin

Von Mirko Knoche
Foto: Jan Woitas/dpa
Stand der Sensenmann Oliver Blume am Dienstag Pate? Protestkundgebung der IG Metall vor dem VW-Werk in Zwickau (9. Juli 2026)

Volkswagen-Chef Oliver Blume redet weiter um den heißen Brei herum. Kaum Konkretes hatte er am Dienstag in Wolfsburg vor über 10.000 Beschäftigten zum angekündigten Verlust von weiteren 50.000 Jobs im Konzern und der Zukunft von vier deutschen Fabriken zu sagen. Er kündigte auf der Betriebsversammlung jedoch an, dass »etwa die Hälfte« der Stellen im Inland und die andere Hälfte im Ausland wegfallen solle. Die Beschäftigten im Stammwerk des größten deutschen Autobauers waren in und vor der Halle 11 zusammengekommen. Viele verfolgten den Schlagabtausch zwischen Blume und der Chefin des Gesamtbetriebsrats, Daniela Cavallo, draußen live auf Bildschirmen. Außerdem sagte der Konzernboss, dass in den nächsten sechs bis zwölf Monaten »belastbare Perspektiven« für alle Standorte geschaffen würden.

Danach wiederholte sich der Vorgang vor den versammelten Arbeitern im Braunschweiger Werk. Seit Wochen hatte Blume mit vagen Aussagen zu Stellenabbau und Fabrikschließungen der Öffentlichkeit einen Eiertanz geliefert. Nach einem verstrichenen Ultimatum im Juli hatte Cavallo den Vorstand des Autokonzerns erbost zu Betriebsversammlungen in neun inländische Werke geladen. Noch bis Montag kommender Woche dauert die Ochsentour der Spitzenmanager. Am Mittwoch spricht Blume in den von Schließung bedrohten Fabriken in Emden und Zwickau. Auch im gefährdeten Audi-Werk Neckarsulm wird der VW-Chef diese Woche vor die Beschäftigten treten.

Unterstützung für die Automobilarbeiter kam derweil von Niedersachsens SPD-Ministerpräsident Olaf Lies. Bereits am Montag besuchte er das VW-Werk in Hannover. Das will Blume ebenfalls abstoßen. Werksschließungen seien keine Zukunftslösung, sagte Lies hingegen am Dienstag im Deutschlandfunk. Cavallo betonte in Hannover am Montag, man werde »betriebsbedingte Kündigungen nicht hinnehmen«. Gemeinsam mit den Beschäftigtenvertretern hatte das Land Anfang Juli im Aufsichtsrat einen Vorstandsantrag abgeschmettert. Das sogenannte Zukunftsbild sah das Einstampfen der vier Werke und den massenhaften Arbeitsplatzverlust vor.

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Am 4. September wird das Gremium erneut tagen. »Tag und Nacht« arbeite man am neuen Plan, verriet IG-Metall-Chefin und Aufsichtsratsvize Christiane Benner bereits der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS). Viel mehr ließ sie allerdings nicht durchblicken. »Zukunft entsteht nicht durch Verzicht und Rückzug auf Raten«, präzisierte der niedersächsische IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger am Dienstag nur wenig später in einer Mitteilung, die jW vorliegt. Er verwies auf den bereits vereinbarten Verlust von 50.000 Arbeitsplätzen im Jahr 2024. »Kooperation ist möglich«, bot er den Konzernbossen an. Gleichzeitig warnte Gröger vor einem Konflikt, »der härter werden kann als zuvor«.

Volkswagen steht unter Druck, weil der große chinesische Absatzmarkt seit Jahresbeginn um ein Fünftel eingebrochen ist. Im Gegenzug strömen Fahrzeuge chinesischer Produzenten vermehrt nach Europa und ringen den hiesigen Herstellern in rasantem Tempo Marktanteile ab. Laut einem Bericht des Handelsblatts vom Dienstag bereitet nun die Europäische Union eine Allianz mit Großbritannien, Japan und Südkorea vor. Die Volkswirtschaften sollen sich jeweils gegenseitig wie inländische Produzenten bevorzugt behandeln und gemeinsam gegen die Konkurrenz aus dem Reich der Mitte abschotten.

Als weitere Bedrohung für alle deutschen Autokonzerne bezeichnete VW-Chef Blume am vergangenen Freitag in einem Interview auf der Website des Konzerns die US-amerikanischen Zölle. Insgesamt sei die Lage »mehr als kritisch«. Über Jahre habe man Strukturen, Kapazitäten und Personal aufgebaut. »Wir sind überdimensioniert«, so Blume. Betriebsrätin Cavallo benannte am Dienstag dann geheimnisvoll »Bedarfe für die personelle Transformation«, die man »ableiten« könne, wenn endlich konkrete Projekte feststünden. Das bleibt kryptisch.

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Erschienen in der Ausgabe vom 26.08.2026, Seite 1, Titel

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