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Kriegstüchtig an der Küste
Rostock-Warnemünde: Fitnessfreaks als Kanonenfutter – die Bundeswehr lässt nichts aus, um ihr menschliches Material zu rekrutieren
Ölig glänzende Oberschenkelmuskeln in engen Shorts statt Sandburg vorm Strandkorb: In Warnemünde hat am Wochenende das Fitnessevent »Battle the Beach« stattgefunden. Rund 620 Athleten aus 20 Ländern traten in Zweierteams gegeneinander an. Prominentester Partner der Veranstaltung: die Bundeswehr. In einer aktuellen Bundestagsdrucksache wird »Battle the Beach« in Rostock am 21. und 22. August 2026 zudem als Sportveranstaltung der Bundeswehr geführt.
Schweiß, Hanteln, Proteinshakes und der »Karrieretruck« der deutschen Armee auf der Strandpromenade am historischen Leuchtturm, der Eintritt für Besucher ist frei. Dafür werden sie in den eigenen Bereich der Streitkräfte gelockt: Es gibt einen speziell eingerichteten »Bundeswehr Floor auf der Promenade«. Dieser diente als Bühne für »sportliche Aktivitäten oder Herausforderungen« sowie als »direkte Anlaufstelle für Interessierte, die sich über zivile oder militärische Karrierewege informieren möchten«, lässt der Veranstalter verlauten.
»Battle The Beach« lebe von »Leistung, Zusammenhalt und Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen«, verkündete der Veranstalter am Donnerstag auf Instagram. Deshalb freuten sie sich über die Bundeswehr an ihrer Seite. »Mehr als 265.000 Menschen leisten täglich ihren Dienst in Uniform und in Zivil. Sie tun dies, um die Sicherheit zu gewährleisten, die Freiheit zu schützen und zu etwas beizutragen, das größer ist als man selbst«, so die von der Bundeswehr gesponserten Sportveranstalter..
Alles im Namen der »Zeitenwende«: Die Bundeswehr nutzt das Event vor allem für Rekrutierungsmaßnahmen, Werbung und »Nachwuchsgewinnung«, denn die deutschen Streitkräfte werben auch Minderjährige an. Dass der Fokus von »Battle the Beach« auf »körperlicher Fitness und Teamwork« liegt, passt anscheinend sehr gut in die Zielgruppe für neues Kanonenfutter: Athleten und fitnessbegeisterte Zuschauer.
Widerstand aus der Friedensbewegung: Rostock-Warnemünde habe gerade erst die alljährliche »Hanse Sail« mit ihren Kriegsschiffen hinter sich gebracht. Bei »Battle the Beach« konnte die Bundeswehr nun wieder eine zivile Veranstaltung für sich ausnutzen: »Hier hatte die Bundeswehr an prominenter Stelle einen eigenen Parcours mit Fahrradergometern, einer Anzeigetafel und anderer Ausrüstung. Bundeswehr-Angehörige traten im Gewand kompetenter Fitness-Trainer auf«, berichtete Cornelia Mannewitz, die vor Ort mit einer Kundgebung protestierte, am Sonntag im junge Welt-Gespräch. Stimmungsbarometer neben dem »Karriere-Truck«: »Die lockere Urlaubsatmosphäre nahe dem Strand trug dazu bei, dass es nicht so auffiel, aber im Hintergrund wurden auch bei dieser Gelegenheit alle Register gezogen, damit genügend Soldatinnen und Soldaten für die deutsche Kriegspolitik zusammenkommen«, so Mannewitz, die für das Rostocker Friedensbündnis und die DFG-VK Rostock spricht. Die Veranstalter hätten keine kritische Haltung zu den Rekrutierungsabsichten der Armee erkennen lassen – nicht verwunderlich, da die Bundeswehr das Event mit gesponsert habe.
Die Ausgaben für die »Nachwuchsgewinnung« – wozu auch die Präsenz bei Sportevents wie »Battle the Beach« gehört – wurden in den vergangenen Jahren stark aufgestockt. Im Haushaltsentwurf 2026 sind 70,5 Millionen Euro dafür vorgesehen. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 lagen die Ausgaben hier noch bei 35,2 Millionen Euro. Die Kosten haben sich damit innerhalb von vier Jahren fast verdoppelt.
»Potentielle Bewerberinnen und Bewerber werden mit zeitgemäßen, authentischen und innovativen personalwerblichen Maßnahmen dort abgeholt, wo sie sich bewegen: im Internet und in den sozialen Netzwerken, sowie auch auf Veranstaltungen«, sagte eine Sprecherin der Bundeswehr in Köln am Sonntag gegenüber junge Welt. Mit den Karrieretrucks werde der aktuellen Situation auf dem Arbeitsmarkt Rechnung getragen: »Wer Personal möchte, der muss auffallen«, so die Sprecherin. Mit besonderen Formaten, wie zum Beispiel Eventcamps, Truppenbesuchen, Praktika und temporär angemieteten Karrierelounges, gehe die Bundeswehr auf junge Menschen auch »in der Fläche« zu und gebe »spannende und authentische Einblicke in den Truppenalltag«, welche den Berufseinstieg in die Bundeswehr erleichtern sollen.
Fitnessfreaks als Kanonenfutter – die Bundeswehr lässt nichts aus, um ihr menschliches Material zu rekrutieren.
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