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Kino

Bewährte Rezepte

Es stinkt gewaltig in Niederkaltenkirchen: »Steckerlfischfiasko«, die neue Eberhofer-Krimiverfilmung

Foto: Bernd Schuller/Constantin Film Distribution GmbH
Die Rettung des Planeten steht stets auf ihrer Tagesordnung: Simon Schwarz (l.), Sebastian Bezzel und Hinkelotta

Die Eberhofer-Krimis sind Geschmackssache (Leberkäs­junkie, Sauerkrautkoma usw.). Meine Begeisterung für die Verfilmungen war von Anfang an so groß, dass ich mir irgendwann auch mal ein Buch geholt habe. Ich kann nicht behaupten, dass ich es verschlungen hätte. Meiner Frau ging es genauso. Obwohl auch sie die Filme liebt.

Die Verfilmung von »Steckerlfischfiasko« verfeinert die bislang so erfolgreiche Rezeptur: Die Ermittlungen treten völlig in den Hintergrund, sie sind nur noch dazu da, dass es ein wenig nach Krimi schmeckt. Und nach zehn Filmen reicht für diese Note schon ein Dorfsheriff mit dem richtigen Riecher.

Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel) merkt sofort, dass es neuerdings gewaltig stinkt in Niederkaltenkirchen. Besonders dann, wenn sich sein früherer Kollege Birkenberger (Simon Schwarz) in der Nähe aufhält. Auch der Gerichtsmediziner wird sofort stutzig. Die nackte männliche Leiche, die im Saunabereich des neuen Golfklubs aufgefunden wurde, liegt dort noch nicht lange. Und auch, dass es sich um den Steckerlfischkönig vom Jahrmarkt unten im Ort handelt, erklärt nicht den penetranten Geruch; so stinkt kein Fisch. So riecht ein alter Mann, der sich nicht wäscht.

Birkenberger spricht von einem Selbstversuch und von der Rettung des Planeten. Eberhofer setzt ihn in seinen betagten Dienst-Audi, kurbelt die Scheiben herunter und brettert ein paar Runden durch den Kreisverkehr am Ortseingang – für eingefleischte Fans die wichtigste Figur der Krimireihe. Danach riecht Birkenberger zwar immer noch nicht nach Birkenhaarwasser, aber immerhin sind sie die Fliegen los, vorerst, denn das Klima ist nach zehn Runden im Kreisverkehr freilich noch nicht gerettet.

Während sein alter Kumpel Birkenberger also so langsam Schimmel ansetzt, driftet Susi (Lisa Maria Potthoff), Eberhofers Frau und Mutter seines Sohnes Paul, in die andere Richtung ab: Unter keinen Umständen dürfen in der nagelneuen Einbauküche Spiegeleier mit Speck gebraten werden. Und Eberhofer macht die Erfahrung, die schon viele Männer unserer Generation machen mussten: Es ist absolut sinnlos, einer modernen Frau erklären zu wollen, dass eine Küche zum Kochen da ist.

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Noch neuer als ihre Küche ist ein anderer Konflikt. Susi hat das Gefühl, ihr Mann würde sie nicht ausreichend bei ihrer Kandidatur für den Bürgermeisterposten unterstützen. Was auch stimmt, im Grunde macht er es mit ihren Flyern nicht anders als mit den Fliegen, die aus Birkenbergers speckigem Jackett gekrochen kamen.

Immerhin ist, als Susi das mitbekommt, das Fass längst übergelaufen. Denn Eberhofer hat auch als Vater versagt.

Sohnemann Paul besucht seit einiger Zeit die Ballettschule des Ortes, als einziger Junge. Einmal im Jahr findet die große Aufführung statt, bei der die Väter den Wald tanzen sollen. Aber Eberhofer will kein hüpfender Baum sein. Alle anderen Väter auch nicht. Außerdem gibt es da noch den Ärger mit dem Ballettkleid, das sich der Junge so sehr wünscht. Sein Vater geniert sich ein wenig, und die Mama hat keine Zeit (Wahlkampf). Der Pauli ist tieftraurig. Doch es gibt jemanden, der in solchen Situationen ganz selbstverständlich hilft. Ich nenne ihn die dritte Säule.

Die Eberhofer-Verfilmungen glänzen mit einem bewährten Ensemble. Nur der Hund wurde schon mehrmals ausgetauscht. Aber auch Susi, der Birkenberger und selbst die Oma könnten verschwinden und durch neue Figuren ersetzt werden, ohne dass etwas ins Wanken geriete. Wirklich wichtig ist allein das Triumvirat: erstens der sympathische Eberhofer selbst, zweitens der seinen Vater verkörpernde Eisi Gulp und schließlich – wer sonst? – der Kreisverkehr.

Eisi Gulp hat einmal von seinen Anfängen als Tänzer erzählt. Er war der einzige Mann in der Truppe, der nicht schwul war. Und als das die Frauen mitbekamen, begann für ihn eine wunderschöne Zeit. Wenn er jetzt im Film gemeinsam mit dem Enkel ein Ballettkleid kauft, wird das zwar auf eine Szene von nur wenigen Sekunden reduziert, die allerdings eine umwerfende Natürlichkeit ausstrahlt.

Was diesmal auffällt, ist, dass Eisi Gulp, der im wirklichen Leben mit einer Suchtpräventionsnummer durch Schulen tourt, in »Steckerlfischfiasko« als ewig nörgelnder Eberhofer-Papa auch nicht mehr so oft kifft. Was sich freilich schnell ändern könnte, falls Susi die Wahl gewinnt. Ich drücke ihr die Daumen.

→ »Steckerlfischfiasko«, Regie: Ed ­Herzog, BRD 2026, 99 min., Kinostart: heute

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Erschienen in der Ausgabe vom 13.08.2026, Seite 11, Feuilleton

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