Kein Bock auf Töten
Nur vier Prozent der 18jährigen Frauen antworten auf Fragebogen der Bundeswehr
Endlich gleichberechtigt töten? Darauf haben junge Frauen offensichtlich keinen Bock! Auf den Fragebogen der Bundeswehr, der an alle 18jährigen Personen in der BRD verschickt wurde, haben nur vier Prozent der weiblichen Jugendlichen geantwortet. Im Gegensatz zu den männlichen Adressierten war ihre Antwort nicht verpflichtend.
»Enttäuschend« findet der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp (CDU), die geringe Rückmeldequote. »Wer die Debatte von Anfang an nur auf junge Männer verengt, schließt Frauen faktisch aus und darf sich über die mangelnde Resonanz nicht wundern«, meint der olivgrüne Wehrexperte Niklas Wagener zu wissen, wie er dem RND am Sonntag mitteilte.
Nach der Wiederbewaffnung der BRD, der Gründung der Bundeswehr 1955 unter dem Christdemokraten Konrad Adenauer, waren Frauen nur im Sanitäts- und Musikdienst zugelassen. Die rechtliche Grundlage dafür bildete Artikel 12a des Grundgesetzes, in dem festgehalten wurde, dass Frauen »auf keinen Fall zum Dienst mit der Waffe verpflichtet werden« dürfen. Elisabeth Schwarzhaupt (CDU), die erste Ministerin der BRD, begründete dies in den 1950er Jahren mit der »Natur und Bestimmung der Frau«.
Bürgerlicher Protest: Diese zugegebenermaßen nicht besonders feministische Haltung erzürnte liberale Feministinnen wie Alice Schwarzer in den 1970er Jahren. Schwarzer wolle Frauen nicht »im Namen dieser ›Friedfertigkeit‹ aus einem gesellschaftlich so relevanten Bereich« ausgeschlossen sehen, schrieb sie in einem Artikel der Emma 1979. Hinter dem Ausschluss vom Waffendienst verberge sich »kein Pazifismus, sondern Sexismus«.
Der Wendepunkt: Die Elektrikerin Tanja Kreil bewarb sich 1996 als Waffenelektronikerin bei der Bundeswehr – und wurde abgelehnt. Sie klagte bis zum Europäischen Gerichtshof, der ihr im Jahr 2000 mit der sogenannten Kreil-Entscheidung recht gab: Der Ausschluss vom militärischen Waffendienst verstoße gegen europäische Gleichbehandlungsrichtlinien.
Schließlich die 2022 verkündete »Zeitenwende«: Auf der Suche nach Kanonenfutter präsentiert sich die Bundeswehr offensiv als divers und familienfreundlich – bislang aber ohne Erfolg bei jungen Frauen.
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