Gegründet 1947 Sa. / So., 14. / 15. Februar 2026, Nr. 38
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 31.12.2025, Seite 3 / Ansichten

Urbanist des Tages: Boris Palmer

Von Andreas Hahn
3_portrait.jpg

Zerfällt Berlin demnächst in zwölf Teile? Den einen dürfen die Eingeborenen bewohnen, den anderen diverse Internierte, einen weiteren die Schwaben usw. usf.? Ein Vorschlag zur erneuten Teilung der Stadt kommt aus dem berufenen Munde des parteilosen Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer, wie die Berliner Morgenpost am Dienstag zu berichten wusste. Der hochbegabte Waldorfschüler Palmer ist nicht unbedingt für seine große Liebe zur preußischen Metropole bekannt, jedoch für seinen klaren Sachverstand auf dem Gebiet politischer Administration berühmt. Eine Art Staatsreform sei irgendwann zweckmäßig, fachsimpelte er in seinem Podcast »Meine schwerste Entscheidung«, denn in Berlin gebe es ein Zuständigkeitsproblem, das Verschränken zwischen Staat und Stadt funktioniere nicht gut.

Abhilfe könnte die Zerschlagung des Molochs schaffen, damit »die Verantwortung da ist, wo die Entscheidung ist, weil das ist eigentlich das Erfolgsmodell süddeutscher Städte«, so Palmer weiter. Das leuchtet ein. Politische Teilung ist für die Stadt mit ihren zwölf Bezirken und 97 Ortsteilen nichts Ungewohntes, eine selbstbewusste Kiezprovinzialität den Berlinern ohnehin lieb und teuer. Um dem süddeutschen Erfolgsmodell zu entsprechen, fällt der Reformvorschlag aber noch zu großteilig aus. Effektiv wäre eine Neueinteilung der 3,9-Millionen-Stadt in Tübingen-Einheiten von jeweils 92.000 Einwohnern. Berlin müsste demnach für die angestrebte Verwaltungseffektivität in 42 Städtchen zerfallen. Die Umbenennung des Prenzlauer Bergs in Neuschwaben mit dem Käthe-Kollwitz-Platz als Dorfzentrum folgte auf dem Fuß. Über eine stilechte Bestückung mit einem Hölderlinturm müsste hingegen noch nachgedacht werden. Für die das Türmchen umschwärmende Taubenschar und gelegentliches Hundegeblaff ist bereits gesorgt.

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.

  • Leserbrief von Rainer Robert Klee aus Bad Kreuznach (31. Dezember 2025 um 13:41 Uhr)
    Fragt doch mal die Bürger in den einzelnen 41 Berliner Großgemeinden, wie die das sehen! Nicht abstimmen, sondern Volksbefragung zu allen Kommunalen- u.a. Daseinproblemen. Vielleicht sind sogar die zugeschnittenen Großgemeinden gegen den Willen der Vernuft entstanden. Kreuzberg war nie ein Schimpfwort! ... entwickelt sich aber derzeit prächtiger! ... und Marzahn sollte man nicht verteufeln. Prenzlauer Berg braucht eben vorhandene Kiez - Künstler für die Komunalpolitik.Ich wohne in einer Gemeinde von 4.000 Einwohnern als Teil einer Kreisstadt mit 54.000 Einwohnern. Wo wohnt es sich besser? Dort wo die Bürger mitmachen und was zu sagen haben. Wo ist fast alles im Lot? Wo die Bürger ernst genommen werden. Wer hat daran den größten Anteil? Es ist die gewählte Führung der Gemeinde, die wie Löwen für Ihre Bürger kämpfen und »nie« den Überblick verlieren. Wirds schwierig, stehen die zufriedenen wahlberechtigten Gemeindemitglieder incl. Kinder wie eine echte Macht - Macher - bereit. Dann wird geklärt und nicht gezögert und verschoben oder gar aufgehoben. Fakt bleibt, nur ständige Kontinuität bringt Erfolg für die Zukunft. Manchmal kann und muss ein »Ruck« helfen! Da muss es aber neue Ruckteams geben. Mit den derzeitigen Politikern von Links bis Mitte geht da weder in Bundespolitik noch regionaler Politik was bergauf. Da muss erst gesamtgesellschaftlich aufgeräumt werden. Aufräumer sind leider die Wahl-Bürger! Nicht die fehlgeleiteten OMAS gegen RECHTS (gegen die CSU und CDU und SPD und Grüne?)! Anmerkung zum Schluss: Es gibt zu viele arglistige Wahlkampfbetrüger! Machtwort von mir: Ab sofort keinen Wahlkampf. Ab 1. Tag nach der Wahl - Abrechnung nach eingelösten Wahlversprechen. Also: Alle Nichtwähler auf zur nächsten Wahl! Bei kleinstem Wahlbetrug sofort Streik bis Generalstreik! PS: Wahlbetrugsmaschen brauchen nicht erklärt werden. Die sind im Grundgesetz fixiert. O.g. Diskussionsgrundlage veröffentlichen: Dann hat die Junge Welt in drei Monaten 1 Mio. Leser mehr.

Mehr aus: Ansichten