Zum Inhalt der Seite
Bewegung und Fotografie

Bildwirksame Ereignisse

Ein Bildband versammelt Aufnahmen zur Friedens- und Anti-AKW-Bewegung der 70er und 80er Jahre

Foto: IMAGO/Klaus Rose
Da gings ab: 100.000 gegen Atomkraft (Bonn, 14.10.1979)

Ein im Ansbacher Verlag Morisel erschienener Bildband erinnert an die »beiden größten Protestbewegungen der ›alten‹ Bundesrepublik« – die Friedensbewegung und die Bewegung gegen die Atomkraft zwischen 1975 und 1988. Der Band versteht sich zugleich als »Reise in den Fotojournalismus der 1970er und 1980er Jahre«, schreibt Herausgeber Alfred Büllesbach. Für viele Fotografen seien die Bilder damals der »Zugang zum professionellen Medienbetrieb« gewesen: »Es waren vor allem in der Protestfotografie aktive Fotografen, die in den 1980er Jahren die Kooperation untereinander für sich entdeckten und eigene Fotoagenturen gründeten.« Einige davon sind bis heute tätig.

Der Herausgeber betont, er habe bei der jahrelangen Recherche festgestellt, dass nur ein Bruchteil der damals angefertigten Aufnahmen später digitalisiert worden sei und in Datenbanken auffindbar ist. Die sogenannte Wiedervereinigung 1989/90 und die Jahre danach seien ein »gigantisches Konjunkturprogramm für Fotojournalisten« gewesen, und »nichts schien ferner als die Zeit des Kalten Krieges«. Später war Priorität, »im Geschäft zu bleiben«, und nicht das eigene Archiv, dessen Aufbereitung in den meisten Fällen ein »physischer und finanzieller Kraftakt, wahrscheinlich sogar eine unlösbare Aufgabe« sei. Inzwischen drohe das Verschwinden ganzer Bestände zeitgeschichtlich interessanter Fotos – der »Verlust des visuellen Erbes«. Bei der Recherche habe sich gezeigt, dass Fotoarchive verstorbener Fotografen in einigen Fällen bereits unauffindbar sind.

Anzeige

Die zahlreichen großformatigen Aufnahmen dieses Bandes zeigen bekannte und weniger bekannte Kundgebungen und Demonstrationen, gewaltsame Auseinandersetzungen, staatliche Repression und Aktionen, die manchmal wie für die fotografische Dokumentation gemacht erscheinen. »Dem Hunger der Bildmedien nach spektakulären Bildern kamen die Organisatoren von Protestveranstaltungen mit der Schaffung bildwirksamer Ereignisse entgegen«, schreibt der Herausgeber. (jW)

Alfred Büllesbach (Hrsg.): »Wehrt euch, leistet Widerstand …« Fotos der Friedensbewegung und Anti-Atomkraft-Proteste der 1970er/80er Jahre in der Bundesrepublik. Morisel, Ansbach 2026, 128 Seiten, 34 Euro

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 29.06.2026, Seite 15, Politisches Buch

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!