Alexander Kluge gestorben
Der Filmemacher und Autor Alexander Kluge ist tot. Wie der Suhrkamp-Verlag unter Berufung auf seine Familie mitteilte, starb er am Mittwoch im Alter von 94 Jahren in München. Kluge galt als einer der vielseitigsten deutschen Intellektuellen, er war Filmemacher, Schriftsteller, Philosoph und Jurist. In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde er als einer der wichtigsten Vertreter des Neuen Deutschen Films bekannt. Er gehörte zugleich zur »Gruppe 47«, die den Literaturbetrieb in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit prägte, und machte sich vor allem mit Kurzgeschichten einen Namen. Als politischer Intellektueller warnte er zuletzt eindringlich vor den Gefahren der Aufrüstung und neuen Kriegen. Zugleich suchte er nach Möglichkeiten, diesen entgegenzuwirken. Im Gespräch mit jW über den Wandel der Öffentlichkeit durch KI betonte er jüngst: »Man muss die Werkzeuge aus Silicon Valley nicht verdammen. Man kann sie nutzen, ihre Programmierung umgehen und so am Gegenalgorithmus arbeiten.«
Kluge wurde 1932 in Halberstadt geboren, studierte Jura, Geschichte und Kirchenmusik. Er promovierte und arbeitete zunächst als Rechtsanwalt. 1958 volontierte er bei dem weltberühmten Regisseur Fritz Lang (»Metropolis«) und fing bald darauf an, selbst Regie zu führen. 1962 war er einer der Filmemacher, die mit dem »Oberhausener Manifest« ein Kino der Autoren forderten. Kluge inszenierte Filme wie »Abschied von gestern« (1966), »Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos« (1968) und »In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod« (1974). Als Schriftsteller wurde er mit Prosabänden wie »Lebensläufe« (1962) und »Schlachtbeschreibung« (1964) bekannt.
Zusammen mit dem Soziologen Oskar Negt schrieb Kluge theoretische Texte, die unter Linken zeitweise stark diskutiert wurden, darunter »Öffentlichkeit und Erfahrung« (1972), »Geschichte und Eigensinn« (1981) und »Maßverhältnisse des Politischen« (1992). Allein verfasste der äußerst produktive Autor die monumentale »Chronik der Gefühle« (2000) oder »Die Lücke, die der Teufel lässt. Im Umfeld des neuen Jahrhunderts« (2003).
1987 war Kluge Mitbegründer der Produktionsfirma dctp, die private Fernsehsender wie Sat.1 oder RTL mit wissenschaftlichen und kulturellen Beiträgen versorgt, etwa mit langen Gesprächen mit Heiner Müller. Auch das Magazin »Spiegel TV« stammte von dctp. Für seine Bücher und Filme erhielt Kluge unter anderem den Adolf-Grimme-Preis (1990, 1992, 2010), den Georg-Büchner-Preis (2003), den Heinrich-Heine-Preis (2014) sowie den Klopstock-Preis (2019). (dpa/jW)
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