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Baseball

Ein sensationeller Sieg

Venezuelas Baseballteam holt WBC-Titel gegen die USA. Trump erweist sich einmal mehr als miserabler Verlierer

Foto: IMAGO/Kyodo News
Nach einer nahezu tadellosen Turnierleistung Venezuelas der verdiente Sieg

Der Jubel im Loan Depot Park in Miami mit seinen 36.490 Zuschauern kannte keine Grenzen, das Meer aus gelb-blau-roten Fahnen schien endlos und ausgelassen: Mit einem sensationellen 3:2 hat sich am Dienstag abend (Ortszeit) Venezuela gegen die favorisierte Auswahl aus den USA durchgesetzt und die sechste Ausgabe der World Baseball Classic (WBC), der Weltmeisterschaft der Nationalmannschaften, gewonnen. Grenzenlos war der Jubel auch auf den Straßen von Caracas, wo sich unter anderem auf der Plaza Alfredo Sadel Tausende Baseballfans zum Public Viewing getroffen hatten und wo das letzte Strikeout vom venezolanischen ­Closing Pitcher Daniel Palencia frenetisch gefeiert wurde.

Auch wenn sich die Partie bis ins neunte Inning eng gestaltete, hatte die Auswahl aus Venezuela dennoch von Beginn an die Kontrolle. Das lag vor allem an Starting Pitcher Eduardo »E-Rod« Rodríguez, der das vor Power nur so strotzende Line-up der USA zum Schweigen brachte. In äußerst dominanten 4 1/3 Innings ließ Rodríguez, der bei den Arizona Diamondbacks zwei Spielzeiten zum Vergessen hinter sich hat, mit einem Hit und einem Walk nichts Zählbares zu. Insgesamt vier Strikeouts konnte E-Rod verbuchen – zwei davon gegen New-York-Yankees-Superstar Aaron Judge. US-Teammanager Mark DeRosa zeigte sich nach dem Spiel voller Bewunderung für Rodríguez’ Wurfarsenal, mit drei Fastball-Varianten und dem wesentlich langsameren, aber lebhaften Changeup, mit dem E-Rod die US-Schlagmänner ein ums andere Mal aus dem Gleichgewicht brachte. »Er ist ein guter Pitcher«, konstatierte DeRosa.

Die 1:0-Führung für die Südamerikaner erzielte im dritten Inning Maikel García – der nach dem Turnier zum wertvollsten Spieler (MVP) der WBC gekürt wurde – mit einem Sacrifice Flyball zu US-Centerfielder Byron Buxton. García kassierte zwar das Aus, sein Ball war aber so tief geschlagen, dass es für Catcher Salavador Perez reichte, von der dritten Base nach Hause zu laufen. Im fünften Inning verwandelte Wilyer Abreu einen vom US-Starting Pitcher Nolan McLean mitten in die Strikezone geworfenen Fastball in einen Homerun zur 2:0-Führung. Im achten Inning machte Bryce Harper die Partie nochmal mit einem Two-Run-Homerun zum 2:2-Ausgleich spannend, als er einen von Relief Pitcher Andrés Machado schlampig plazierten Changeup übers Centerfield jagte.

Die USA schnupperten aber nur kurz Morgenluft. Bereits ein Halbinning später ließ Reliefpitcher Garrett Whitlock Luis Arráez per Walk auf die erste Base vorrücken. Der venezolanische Teammanager Omar López wechselte Arráez anschließend in einem smarten Zug gegen den schnellen Pinch Runner Javier Sanoja aus. Sonaja stahl umgehend die zweite Base, ehe er ein von Eugenio Suárez geschlagenes ­Double für den entscheidenden dritten Run nutzte. Den Rest erledigte dann der bereits erwähnte Palencia, unter anderem mit zwei beeindruckenden Strikeouts gegen Kyle Schwarber und Roman Anthony. Venezuela krönte mit dem Finalsieg eine fast tadellose Turnierleistung mit Siegen gegen die Niederlande (6:2), Israel (11:3) und Nicaragua (4:0), ehe das letzte Gruppenspiel gegen die Dominikanische Republik knapp mit 7:5 verlorenging.

Im Viertelfinale gelang Venezuela mit einem 8:5 gegen den Topfavoriten und Titelverteidiger Japan eine der ganz großen Sensationen des Turniers, ehe das überraschend gut aufspielende Italien – das in der Gruppenphase die USA 8:6 schlagen konnte – im Halbfinale mit 4:2 knapp den Kürzeren zog. Nach dem Halbfinalsieg gegen Italien ließ es sich US-Präsident Donald Trump nicht nehmen, Venezuela ein vergiftetes Kompliment zum Finaleinzug zu machen: »In Venezuela geschehen in letzter Zeit gute Dinge. Ich frage mich, was das Geheimnis ist«, hieß es in einer zynischen Anspielung auf die Verschleppung von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro in die USA Anfang Januar. Gleichzeitig »bot« er Venezuela an, 51. Bundesstaat der USA zu werden. Auch nach der Finalniederlage der USA zeigte sich der alte Mann im Weißen Haus als schlechter Verlierer und postete auf seinem sozialen Netzwerk »Truth Social«: »STATEHOOD!!!«, eine Annexionsphantasie, die Trump zuvor auch schon mehrfach gegenüber Kanada geäußert hatte.

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.03.2026, Seite 16, Sport

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  • Onlineabonnent*in Heinrich H. aus S. 19. März 2026 um 20:14 Uhr
    Es lässt sich bestimmt ein amerikanischer Baseball-Verband finden, der den USA den Titel zuspricht. In Afrika geht sowas ja auch, wenigstens im Fußball.
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