Position der Schwäche
Kriege wie der Pakistans gegen Afghanistan oder im Sudan sowie all die in den Hintergrund verdrängten Konflikte auf den anderen Schlachtfeldern waren auch am Dienstag in den Kommentarspalten kein Thema. Der Krieg Israels und der USA gegen Iran dominierte weiterhin auch die Meinungsbeiträge.
Die Konsequenzen des praktisch zum Erliegen gekommenen Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus werden vor allem an den Zapfsäulen der Nation verhandelt. »Schon wieder zahlen deutsche Verbraucher und Unternehmen den Preis für Fehlentscheidungen der Politik«, klagte das Handelsblatt online und erklärte: »Abhängigkeiten verschwinden nicht, sie rächen sich.« Zwar würden die Lieferungen fossiler Rohstoffe kaum aus dem Nahen Osten kommen. Aber das sei »egal«, denn: »Öl- und Gaspreise hängen an den Weltmärkten«. Diese »bringen das geopolitische Risikiko damit in die Republik«. Das Blatt empfiehlt, nicht länger »an den Symptomen herumzudoktern« (Steuersenkungen oder die Erlaubnis für Ölkapitalisten, ihre gehorteten Vorräte frei verkaufen zu dürfen). Geboten sei, »die Abhängikeit von fossilen Energien« als Ursache zu bekämpfen.
Eine davon liegt bei der Automobilindustrie. Doch die hat ihre eigenen Probleme. Die Hersteller »stecken im Umbruch zur E-Mobilität und kämpfen mit chinesischen Rivalen ebenso wie mit Donald Trumps Zöllen«, erinnerte die Süddeutsche Zeitung vom Dienstag. Wer glaube, dass »die deutsche Autoindustrie gesundet, wenn man den Klimawandel ignoriert und unverdrossen auf Verbrennermotoren setzt«, hält nicht etwa an einem bislang äußerst profitablen Geschäftsmodell fest, sondern sei einem »Märchen der Rechtspopulisten« aufgesessen, erklärte die Zeitung anlässlich weiterer Geländegewinne des AfD-nahen Vereins »Zentrum« in Betriebsräten der Volkswagen AG.
»Die deutsche Autoindustrie hat eine Dekade hinter sich, in der sie keinerlei branchenführende Innovation auf den Markt gebracht hat«, konstatierte das Handelsblatt in seiner Printausgabe vom Dienstag und geißelte die über »miese Standortbedingungen« klagenden »Autobosse« dafür, »ihr eigenes Scheitern« zu verschweigen. Sie hätten den »Deal« gebrochen, »auf dem der Erfolg des Standorts Deutschland fußte«: »innovative Produkte« zur Kompensation »höherer Lohnkosten«. Und so sei es nicht verwunderlich, dass Produktion ins östliche Ausland verlagert wird. »Wer nicht innovativ ist, muss die Kosten senken«, belehrt das Blatt. Die Konzerne »treffen also eine Entscheidung aus einer Position der Schwäche«. (mb)
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