Zum Inhalt der Seite
Satire-Matriarchat

Sie darf alles

Die Titanic bekommt einen neuen Chef. Genauer: eine Chefin. Laut einer Mitteilung vom Dienstag wird mit Julia Mateus erstmals eine Frau die Redaktion des endgültigen Satire­magazins führen. Die am 25. November 2022 erscheinende Ausgabe 12/22 werde die erste unter ihrer Leitung sein.

»Ich möchte alle Witze aus den Texten männlicher Autoren rausstreichen und bei mir reinschreiben, mehr Mundart, mehr Satire in einfacher Sprache und regelmäßig Parfumproben im Heft«, sagte Mateus, die seit zwei Jahren Teil der Redaktion ist, laut Mitteilung in ihrer Antrittsrede. Zur künftigen inhaltlichen Ausrichtung des Hefts sagt sie: »Satire darf bei mir nichts, außer nach unten treten.« Und: »Ich distanziere mich grundsätzlich von allen Witzen meiner Vorgänger.« Die Definition der Grenzen von Satire wolle sie an ein Startup ausgliedern, das diese in Zukunft auf der Grundlage eines Algorithmus bestimmen solle.

Anzeige

Mateus folgt damit auf legendäre Despoten wie zuletzt Moritz Hürtgen (seit 2019), Tim Wolff (2013–2018), Leo Fischer (2008–2013) oder Thomas Gsella (2005–2008), die seit ihrer jeweiligen Demission ein Dasein als Literaten, Kolumnisten, Russenfresser oder Gelegenheitsdichter fristen. (jW)

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 12.10.2022, Seite 11, Feuilleton

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!