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Konflikt um Berg-Karabach

Hintergrund: Der türkische Faktor

Aserbaidschan hat den Herbstkrieg um Berg-Karabach nicht zuletzt mit aktiver Unterstützung Ankaras gewonnen. Türkische Drohnen spähten armenische Stellungen aus, türkische Kampfflugzeuge beherrschten den Luftraum, aus dem türkisch kontrollierten Teil Syriens wurden islamistische Söldner an die Front geschafft. Mit dieser gar nicht weiter bestrittenen Einmischung demonstrierte Ankara seinen Anspruch auf geopolitischen Einfluss im Südkaukasus.

Wenn nicht alles täuscht, hat Russland diese potentielle Konkurrenz zu seinen eigenen Interessen in der Region mit der jetzt in die Wege geleiteten Infrastrukturinitiative recht geschickt aufgefangen. Die Türkei bekäme mit der Reaktivierung der Transportwege ihren Landkorridor nach Baku – über die aserbaidschanische Exklave Nachitschewan und weiter entlang der armenisch-iranischen Grenze. Aber Ankara erhält diesen Zugang unter Kontrolle russischer Grenztruppen, die nach der Waffenstillstandsvereinbarung vom November die betreffende Straße und den noch wiederherzustellenden Abschnitt der Bahnlinie auf dem Transit durch Armenien sichern sollen. Das sollte solange, wie die russischen Soldaten dort stationiert sind, verhindern können, dass dieser Korridor entgegen russischen Interessen genutzt wird.

Rein technisch gesehen, könnte die Eisenbahnlinie »Kaukasus-Transsib« auch als Transportweg zwischen Russland und der Türkei dienen. Diese Route würde überdies georgisches Territorium vermeiden, denn es gibt eine Abzweigung von der armenischen Stadt Gjumri aus. Sie kann allerdings nicht mehr genutzt werden, seitdem die Türkei 1993 ihre Grenze zu Armenien als Vergeltung für den damaligen armenischen Angriff auf Aserbaidschan gesperrt hat. Umgekehrt gesagt: Wenn die Türkei im Falle, dass die Normalisierung gelingt, die Grenze zu Armenien wieder öffnen würde, bekäme sie auch Zugang zu der »Kaukasus-Transsib«. (rl)

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 14.01.2021, Seite 3, Schwerpunkt

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