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Kein Amt für Nazis

Schriftsteller Jörg Bernig wird nicht Kulturamtsleiter in Radebeul. »Für einen abermaligen Wahlvorgang stehe ich nicht zur Verfügung«, teilte der 56jährige, der gerne in der Zeitschrift Sezession des rechten Thinktanks »Institut für Staatspolitik« (IfS) publiziert, am Donnerstag mit. Am 20. Mai war Bernig in einer geheimen Wahl mutmaßlich mit den Stimmen von AfD und CDU auf den Posten gehoben worden. Nach heftigen Protesten legte der parteilose Oberbürgermeister Bert Wendsche sein Veto ein, womit die Entscheidung dem Stadtrat nochmals zur Prüfung vorzulegen war. Bernig äußerte sich zunächst recht versöhnlich in einem offenen Brief im rechten Compact-Magazin. In der Rückzugserklärung vom Donnerstag schimpfte er nun, um »ideologischer Ansprüche auf den Kultursektor willen« seien Regeln und Verordnungen gebrochen worden. Dass Wendsche auf Grundlage der sächsischen Gemeindeordnung Widerspruch eingelegte, hatte dabei durchaus keine politischen Gründe: »Bernig mag neurechts sein – das darf aber keine Rolle spielen«, erklärte der Bürgermeister – man frage im Bewerbungsverfahren auch nicht nach der sexuellen Orientierung. Berning, der schon mal über Männer »südländischen Typs« dichtet, die Messer zücken und junge Frauen vergewaltigen, bleibt für den stellvertretenden CDU-Stadtratsfraktionsvorsitzenden Jens Baumann »ein anerkannter Poet«. Gute Beziehungen zu dem von Götz Kubitschek geleiteten IfS, das der Verfassungsschutz als rechtsextremen Verdachtsfall eingestuft hat, unterhält der Dichter schon länger. Im Oktober 2000 las er, wie Junge Freiheit berichtete, auf einer Feierstunde des IfS zum »Tag der Deutschen Einheit« in Berlin aus seinem Werk. (dpa/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 13.06.2020, Seite 11, Feuilleton

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