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Kafka gegen Lederer

Der sogenannte stellvertretende Regierende Bürgermeister des sogenannten Landes Berlin und sogenannte Kultursenator von der sogenannten Linkspartei schüttete jüngst ein Füllhorn über die sogenannte Freie Szene aus. Sie bekam 2,3 Millionen extra, um sich darauf vorzubereiten, die Stadttheater zu ersetzen, weil sie noch flexibler, prekärer und inhaltsloser arbeitet – mit noch schlechterer elektronischer Musik. Trotzdem gibt es immer noch Theaterzusammenschlüsse, die dieses Elend ignorieren. Im Prenzlauer Berg produziert das Ensemble Kulturschlund in einer alten Schule erstklassige Beispiele für die Verbindung von Livemusik und Bühnenszenen.

Kulturschlund erarbeitet seine Abende kollektiv und trägt sie in einer Güte vor, die jedes zweite Stadttheater erblassen lässt. Man könnte es Rockoper nennen, verblüffte nicht musikalische Vielfalt. In »Processing Kafka«, ihrer neuesten Arbeit, lassen sie sogar den Professor Freud auftreten und singen. Der Abend wird von großartiger körperlicher Disziplin getragen und dem Spaß guter Musiker. Man versteht sogar die Sätze und die Handlung. Kurzfassung: »Josef K. steht vor dem Gericht: Fleisch, Hirn und Sex sind verhaftet. Nur manchmal, um 4.48, kommt die Klarheit vorbei.« Die Lieder von Raphael Dlugajczyk und Max Schäffer rechtfertigten eine eigenständige Plattenproduktion. Besucher werden sich wundern, wie sehr sie den Kultursenator auslachen können. Am Samstag um 19 Uhr in der Danziger Straße 50. (jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.01.2018, Seite 11, Feuilleton

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