Stadtbildprobleme auch beim WDR
Die vom Westdeutschen Rundfunk geplante Abschaltung des Migrantenradios Cosmo stößt auf mehr Widerstand als erwartet. Die Internetpetition »Save Cosmo« hat mehr als einhunderttausend Unterstützer gefunden, und eine Liste von 500 Organisationen und Multiplikatoren steht unter einem offenen Brief, der gar eine bundesweite Ausdehnung des Senders verlangt. Die Initiative dazu kam von den Neuen deutschen Medienmacher*innen, einem Netzwerk von Journalisten mit und ohne Einwanderungsgeschichte. Dieses gab bei Hubertus Gersdorf ein Rechtsgutachten in Auftrag, in dem der Leipziger Medienprofessor zu dem Schluss kommt, dass die beabsichtigte Umformatierung von Cosmo zum HipHop-Sender 1 Live Street gegen das WDR-Gesetz verstoßen würde. Seiner Auffassung nach ist Cosmo darin ausdrücklich als interkulturelles Hörfunkprogramm vorgesehen, diesen Programmauftrag könne der WDR nicht selbst ändern. Der Gutachter sieht die NRW-Landesregierung in der Pflicht, einzuschreiten.
Die Staatskanzlei verweist auf die Programmautonomie des Ländersenders, will das Gutachten gleichwohl überprüfen. Inzwischen macht der Westdeutsche Rundfunk einen halben Rückzieher. Es habe sich gezeigt, heißt es in einer Mitteilung vom 3. Juli, dass der vorgesehene Sendername 1 Life Street »als diskriminierende Reduzierung vielfältiger migrantischer Lebensrealitäten auf ein einziges, klischeehaft aufgeladenes Bild gelesen werden kann«. Man will sich deshalb einen anderen Namen ausdenken und entschuldigt sich sogar: »Wir bedauern diesen Fehler.« Was fehlt, ist die Einsicht, dass nicht ein saublöder Name der Fehler ist, sondern die Abschaltung des Migrantenradios.
Damit verlassen wir die Straße mit dem merzhaften Ausländerproblem und checken ein im → »Hotel Paradiso«, der DLF bringt den Hörspielklassiker von Marie Luise Kaschnitz (HR 1957, Di., 20.05 Uhr). Alexa Hennings erklärt die merkwürdigen Gebräuche der ostelbischen Ureinwohner im Feature → »Zwischen DDR-Alltagskultur und Abriss – Triggerort Garage« (Mi., 19.30 Uhr, DLF Kultur). Dass es einmal eine Zeit gegeben hat, in der westdeutsche Intellektuelle Courage zeigten, lehrt das Stück → »Peymannbeschimpfung« von Helgard Haug und Daniel Wetzel (DLR Kultur 2007, Mi., 22.05 Uhr, DLF Kultur).
Die Reihe »Mikrokosmos« startet eine sechsteilige Tonwanderung, → »Konsum und Konkurs. Abschiedstour durchs Warenhaus« von Manuel Gogos und Christoph Spittler (DLF 2025, Do., 20.30 Uhr, DLF). Das Freie Radio in Hamburg wiederholt einen Diskussionsabend vom Kantinefestival 2024 mit dem Internationalismusexperten Gleb Albert zum Thema → »Von der Weltrevolution zur ›Völkerfreundschaft‹« (Fr., 8 Uhr, FSK). Als Samstagshörspiel präsentiert Ö 1 Klaus Gmeiners Bearbeitung der »Schachnovelle« von Stefan Zweig mit Michael Heltau und Gustl Weishappel (ORF 1978, 14 Uhr).
Schnipseltip der Woche ist die Collage → »Cordoba Juni 13:45 Uhr«, zu hören darin die Kommentatoren Edi Finger (Österreich) und Armin Hauffe (BRD), zusammengeköttert von Tonmeister Flash Ror Wolf (HR 1979, So., 14.04 Uhr, HR 2 Kultur). Am frühen Abend folgt → »Der Hund des alten Mannes« von Oliver Kluck (SWR 2016, So., 18.20 Uhr, SWR Kultur) und zur Tatortzeit Richard Straussens Oper → »Die Frau ohne Schatten«, aufgeführt am 9. Juli vom Orchestre de Paris beim Festival d’Aix-en-Provence (So., 20.03 Uhr, BR Klassik, HR 2 Kultur, NDR Kultur, SR Kultur, SWR Kultur, WDR 3). Schließlich beginnt am Montag die Lesung von Dostojewskis → »Weiße Nächte« (1/12), eingesprochen von Benno Schulz (14.04 Uhr, MDR Kultur).
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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