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17.07.2014
- → Feuilleton
Mörderische Rechte
Von Markus Mohr
US-Präsident Abraham Lincoln besiegte 1865 die Sklavenhalter des Südens in einem Bürgerkrieg. Danach entwickelte sich in den Südstaaten die Hochphase des rassistischen Lynchens. In dreißig Jahren wurden etwa 2600 Menschen getötet. Legal war das nicht, doch geschahen die Morde oft im Rahmen von regelrechten Volksfesten, mit Barbecue und schulfrei für die Kinder.
Dieser Hinweis findet sich in der von der Kölner Gruppe »Dostluk Sinemasi« herausgegebenen Dokumentation »Von Mauerfall bis Nagelbombe. Der NSU-Anschlag auf die Kölner Keupstraße im Kontext der Pogrome und Anschläge der neunziger Jahre«. Sie widmet sich dem mörderischen Anschlag, den der NSU im Juni des Jahres 2004 auf die Keupstraße verübte. 22 Menschen erlitten dabei schwere Verletzungen.
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Für die Jahre nach 1990 weist eine jüngst veröffentlichte Mordstatistik des Bundeskriminalamtes 746 Fälle aus, in denen ein rassistisches Motiv nicht auszuschließen sei.
In verschiedenen Interviews kommen Bewohnerinnen der Keupstraße zu Wort, die von ihren zum Teil traumatischen Erfahrungen durch den Bombenanschlag und die nachfolgend gegen sie gerichteten polizeilichen Ermittlungen berichten. Ein große Leistung besteht darin, daß von der Gruppe Dostluk Sinemasi erstmals eine Vielzahl von Betroffenen neonazistischer Gewalt zusammengebracht wurden. Der Band versammelt darüber hinaus eine Reihe von kenntnisreichen Aufsätzen über den Naziterror in Köln und in Thüringen in den neunziger Jahren.
Dostluk Sinemasi (Hg): Von Mauerfall bis Nagelbombe. Der NSU-Anschlag auf die Kölner Keupstraße im Kontext der Pogrome und Anschläge der neunziger Jahre. Amadeu-Antonio-Stiftung, Berlin, 128 Seiten, 10 Euro
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