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15.02.2013
- → Feuilleton
Maxima Moralia (1)
Wenn ich glücklich bin, möchte ich, daß alle Menschen glücklich sind. Ich weiß allerdings durch Erfahrung, daß ich mir diese Art der Menschen- und Weltbetrachtung dringend abgewöhnen sollte. Denn widerlich wird der Normalmensch ja nicht beim Anblick des eigenen Unglücks; mit dem findet er sich ab, in das fügt er sich und richtet sich sogar häuslich darin ein. Ekelhaft und sogar mörderisch wird er beim Anblick des Glücks anderer; das bringt ihn um den Verstand, der ihm vorher schon fehlte, aber erst dann und deshalb bringt er die anderen um oder versucht es zumindest. Anders ist beispielsweise Antisemitismus anthropologisch überhaupt nicht zu erklären.
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