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Der Leverkusener Dialog

Der marxistische Historiker Prof. Dr. Hans-Joachim Krusch (1935–2004), damals Leiter des Marxistischen Arbeitskreises zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung bei der historischen Kommission der PDS bzw. bei der PDS, hatte vor vielen Jahren die Idee, sich an Genossen und Organisationen zu wenden, die sich als marxistisch, als kommunistisch definieren und sich – trotz der schweren Niederlage von 1989/90 – in ihrer antikapitalistischen Orientierung und Aktivität nicht beirren lassen. Krusch starb leider nach dem ersten Leverkusener Dialog im Jahr 2004.

Man solle – schlug er seinerzeit vor – versuchen, diese Genossen und Organisationen an einen Tisch zu bekommen, ohne etwa »Unliebsame« auszugrenzen, und mit ihnen über gegenwärtige Aufgaben, auch über theoretische und politische Schlußfolgerungen aus der Niederlage des Sozialismus zu diskutieren. Dabei sei zu vermeiden, die Schlachten von ehedem erneut schlagen zu wollen, sich die »Wurfgeschosse« von einst erneut an die Köpfe zu schleudern. Die Probleme und Widersprüche dürfe man deswegen aber nicht einfach unter den Teppich kehren. Dieser Vorschlag stieß auf große Zustimmung bei Kräften, die sich einst mit den Schimpfworten »Stalinisten«, »Trotzkisten«, »Brandlerianer« usw. belegten.

Es kam zum ersten Dialog, der wie die folgenden in der DKP-Parteischule Karl Liebknecht in Leverkusen stattfand. Es gab sogar eine Wortmeldung, die das baldige Zusammengehen und die baldige Vereinigung des Potenzials prophezeite – was allerdings nicht der Situation entsprach. Die bisherigen »Dialoge« hatten das Parteithema, die Staatsfrage, den Revisionismus, natürlich auch Probleme der Geschichte des Kommunismus zum Thema.

Der vierte Leverkusener Dialog findet nun von Freitag, dem 26. Oktober um 18 Uhr, bis Sonntag, dem 28. Oktober um 16 Uhr, in Leverkusen an der Karl-Liebknecht-Schule der DKP zum Thema »Revolutionstheorie für das 21. Jahrhundert« statt. Schwerpunkte der Referate sind:
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1. Reform und Revolution, Überwindung des Kapitalismus und revolutionäre Brüche.

2. Klassentheorie als Struktur- und Handlungstheorie: Das gesellschaftliche Subjekt revolutionärer Gesellschaftsveränderungen.

3. Herausforderungen für den Sozialismus im 21. Jahrhundert.

Vorgesehen sind Beiträge von Hans-Peter Brenner, Edeltraut Felfe, Manuel Kellner, Angela Klein, Ekkehard Lieberam, Robert Steigerwald und Karl Hermann Tjaden.

Übernachtung in der Karl-Liebknecht-Schule ist möglich. Aus Platzgründen ist eine Anmeldung unbedingt erforderliche. Kontakt: Ekkehard Lieberam, Tel.: 0341/4122610, E-Mail: el-leipzig@gmx.net

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.10.2012, Seite 3, Schwerpunkt

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