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Hansjoachim Tiedge ist tot

Moskau. Am 6. April, wenige Wochen vor seinem 74.Geburtstag, ist Hansjoachim Tiedge an seinem Wohnort in der Nähe Moskaus verstorben. Das teilte der Verlag Das Neue Berlin am Dienstag mit. Der in der Kölner Zentrale des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) jahrelang für die Spionageabwehr aus der DDR zuständige Regierungsdirektor hatte sich im August 1985 in den Osten abgesetzt und sein gesamtes Wissen offenbart. Darüber machte er in seinen Memoiren, die 1998 bei Das Neue Berlin unter dem Titel »Der Überläufer« erschienen, detailliert Mitteilung. Zu jenem Zeitpunkt lebte der ehemalige oberste Abwehrchef des BfV bereits in Rußland, wohin das KGB ihn am 23. August 1990 aus der untergehenden DDR ausgeflogen hatte. Bei der Vorstellung des Buches von Tiedge auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 1998 kam es zu spektakulären Polizeiaktionen am Verlagsstand, wie sie letztmalig 1965 bei der Vorstellung des »Braunbuches« aus der DDR zu erleben waren. (jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 13.04.2011, Seite 2, Ausland

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