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Bitte lächeln

Der Sprachforscher und Missionar Dan Everett (USA) hat mit seiner Familie sieben Jahre bei den Pirahã-Indianern am Amazonas verbracht. In der Januar-Ausgabe der Zeitschrift Wunderwelt Wissen führt er aus, warum der knapp 400 Menschen zählende Stamm »immer gut drauf ist«. Es gelte das Prinzip des »unmittelbaren Erlebens«. Behauptungen, Theorien, Spekulationen seien tabu. Nur über das Erfahrbare werde geredet, alles andere sei »krummköpfig«. Damit gehe ein besonderes Zeitgefühl einher. Die Pirahã seien »In-Timers«, wie Chronopsychologen sagen. Für sie verläuft Zeit weder linear noch zyklisch wie etwa für die Aymara-Indianer, bei denen Vergangenheit und Zukunft identisch sind. Zeit ist bei den Pirahã das Jetzt, der gegenwärtige Moment, der alles Wichtige enthält. »Das Prinzip der Unmittelbarkeit ist der höchste Wert ihrer Kultur«, schreibt Everett. »Passend dazu haben sie sich ihre Sprache geschaffen.« Die Laune sei bei keinem der 20 isoliert lebenden Amazonasstämme, die er besuchte, vergleichbar gut gewesen, obwohl der Tod für die von jeglicher medizinischen Versorgung abgeschnittenen Pirahã-Indianer allgegenwärtig sei. »Lächelnd gehen sie dem großen Abgrund entgegen«, schreibt Everett bewundernd – ganz ohne Tröstungen von einem Leben danach. Bei ihnen gebe es keine Anzeichen für Depressionen, chronische Müdigkeit, Panikattacken oder psychische Störungen, wie sie im Westen massiv auf dem Vormarsch sind.

(ots/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 30.12.2010, Seite 15, Natur & Wissenschaft

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