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19.08.2010
- → Feuilleton
Schief
Das türkische Außenministerium hat den 2007 auf offener
Straße erschossenen türkisch-armenischen Journalisten
Hrant Dink in einem Schreiben an das Europäische
Menschenrechtsgericht in Strasbourg mit dem deutschen Neonazi
Michael Kühnen verglichen. Das bestätigte der
türkische Außenminister Ahmet Davutoglu in der Zeitung
Milliyet vom Mittwoch. Der Journalist war kurz vor dem Attentat
wegen »Beleidigung des Türkentums« verurteilt
worden. Das Strasbourger Gericht befaßt sich mit einer
Beschwerde gegen das Urteil. Auf diese reagierte das Ministerium
mit einem Schreiben, das den Vergleich Dinks mit Kühnen
enthält. Letzterer berief sich 1988 in einer Klage in
Strasbourg auf das Recht auf freie Meinungsäußerung und
scheiterte. Das Papier der Ministerialbeamten rechtfertigt mit
Hinweis auf Kühnen die Verurteilung Dinks.
Staatspräsident Abdullah Gül distanzierte sich umgehend.
Minister Davutoglu, der das Schreiben am Sonntag zum ersten Mal
gesehen hatte, bedauerte sehr, daß es für eine
nachträgliche Korrektur der Verteidigungslinie zu spät
sei.
(AFP/jW)
(AFP/jW)
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