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Aufbau

In der Palästinenser-Stadt Dschenin hat am Donnerstagabend das unter Beteiligung des deutschen Regisseurs Marcus Vetter renovierte Kino wieder eröffnet. Das »Cinema Dschenin« mußte wie alle anderen Kinos im Westjordanland 1987 während der ersten Intifada seinen Betrieb einstellen, nun wurde er mit einem Filmfestival wieder aufgenommen. Während der dreitägigen Veranstaltung stehen mehrere Filme zum Nahostkonflikt auf dem Programm. Danach sollen in dem in den 60er Jahren im Zentrum Dschenins erbauten Kino – es verfügt mit 335 Plätzen über den einst größten Saal im Westjordanland – wieder regelmäßig Filme gezeigt werden. Dschenin war in den vergangenen Jahren einer der Brennpunkte des Nahostkonflikts und Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen.

Das Kino wurde in den vergangenen zwei Jahren von einem palästinensisch-internationalen Team wieder aufgebaut. Daran waren auch zahlreiche deutsche Freiwillige beteiligt. Als Teil des Projekts sind eine Filmschule mit Workshops sowie ein Untertitelungsstudio geplant. Die Renovierung des Kinos wurde von mehreren deutschen Unternehmen sowie der Bundesregierung gefördert.
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Das Auswärtige Amt unterstützte den von dem deutschen Regisseur Vetter gegründeten Verein »Cinema Dschenin« mit 325000 Euro. Die Idee zum Wiederaufbau des Kinos kam dem Dokumentarfilmer nach der Arbeit an seinem Film »Das Herz von Dschenin«.

Darin erzählt Vetter die Geschichte des Palästinensers Ismail Khatib, dessen elfjähriger Sohn im Jahr 2005 von israelischen Soldaten erschossen wurde. Khatib entschied dennoch, die Organe seines Sohnes an israelische Kinder zu spenden. Nach Abschluß der Dreharbeiten beschlossen Vetter und Khatib gemeinsam, das alte Kino in Dschenin zu renovieren. »Mein Sohn wurde auf der Straße getötet, weil er nirgendwo hingehen konnte«, sagte Khatib. »Ich wollte, daß es in Dschenin einen Ort gibt, an dem sich die Jugendlichen ohne Gefahr aufhalten können.« (AFP/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 07.08.2010, Seite 13, Feuilleton

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