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Fernsehen ist Folter

Fernsehen ist nicht schlimmer, als man denkt. Als er wissen wollte, wie autoritätshörig Menschen sein können, erzielte der US-Sozialspsychologe Stanley Milgram Anfang der 60er Jahre bei seinen Testpersonen erstaunlichen Erfolg mit unmenschlichen Befehlen, jemand anderen im Namen der Wissenschaft zu foltern. Die Aktualität des Milgram-Experiments hat jetzt der französische Filmemacher Christophe Nick bewiesen, in dem er überprüfte, wozu Menschen bereit sind, wenn man ihnen suggeriert, sie wären im Fernsehen. Und genau da, nämlich auf France 2 läuft heute Abend Nicks Dokumentarfilm »Spiel des Todes«.

Nick lud 80 Probanden als Kandidaten zu einer angeblichen Quizshow und filmte ihre Reaktionen auf sogenannte Spielanweisungen. Die meisten waren bereit, einem in einer Kabine eingesperrten Kandidaten bei jeder falsch beantworteten Frage Stromstöße zu versetzen– auch wenn dieser zusammenbrach. Zwar war der Kandidat nur ein Schauspieler, der Strom nicht existent, aber die Probanden im Prinzip zu allem bereit– »die Leute sagen sich: Ich bin im Fernsehen, ich muß machen, was von mir erwartet wird«, resümierte Nick seine Neuauflage des Milgram-Experiments. Geld spielte keine Rolle, denn es gab nur eine Aufwandsentschädigung für die Teilnahme, aber kein Preisgeld. (AFP/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 17.03.2010, Seite 12, Feuilleton

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