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Rassistengnade

Die katholische Kirche will weiterhin von »Zigeunern« sprechen, auch wenn sich der Zentralrat der Sinti und Roma dagegen verwahrt. Die Kirche wisse um die negativen Assoziationen, die dem Wort anhafteten und um die historische Belastung durch die Verbrechen der Nazis, erklärte der Bischof von Hildesheim, Norbert Trelle, am Montag zu Beginn des Weltkongresses der »Zigeuner-Seelsorge« in Freising. Andererseits wolle die Kirche gerade deshalb weiter von »Zigeunern« sprechen, weil das Wort durch jahrhundertealte Vorurteile besudelt und für die Naziverbrechen mißbraucht worden sei. So solle dem Begriff seine Würde und Bedeutung zurückgegeben werden, erklärte Trelle. Als wäre der Gebrauch eines rassistisch konnotierten Begriffs Ausdruck von kirchlicher Gnade. Der Zentralrat der Sinti und Roma hatte der katholischen Kirche vorgeworfen, mit der Begriffsverwendung Vorurteile zu schüren und außerdem den Blick auf die Minderheit zu verstellen. (AFP/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 02.09.2008, Seite 12, Feuilleton

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