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Kohl vom DLF

Hintergründe einer Pressemitteilung des Deutschlandfunks (DLF), der die Sendung »Politische Literatur« zum 7. April aus dem Programm gekippt hat, liefert Daniela Dahn im aktuellen Freitag. Die zuständigen Redakteure Karin Beindorff und Hermann Theißen wurden aufgrund »anonymer Denunziationen« entlassen. Chefredakteur Dieter Jepsen-Föge »erläuterte den staundenden Mitarbeitern«, ihm seien Beschwerden über »das Klima« auf einer Redaktionskonferenz zu Ohren gekommen, die hätten bei ihm »alle Alarmglocken schrillen lassen«. Beindorff und Theißen wurden zum Klimaproblem nicht befragt und ohne »ein Minimum an Rechtskultur« vor die Tür gesetzt, wie DLF-Kulturchef Matthias Straesser anmerkte. Es handle sich um eine neuerliche Wendung in einer langen »Hysteriegeschichte«. Deren Protagonist, sagt Straesser, ist DLF-Programmdirektor Günter Müchler, mehr als CDU-nah, u.a. Autor des Buches »Helmut Kohl – Kanzler der deutschen Einheit«. Schon vor zehn Jahren hat Müchler Features von Thei­ßen (über die Rechtslastigkeit der Bundeszentrale für politische Bildung) und Beindorff (über die Sympathisantenhatz im Deutschen Herbst) mit der Bemerkung zensiert, die Featureredaktion sei eine »rote Zelle«. Jetzt hat er diese Zelle vom Sender genommen. Statt dessen läuft ein »Magazin«, das dem »Servicegedanken verpflichtet ist«. (jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 28.03.2008, Seite 13, Feuilleton

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