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Leserbrief zum Artikel Globaler Streik: Kampf ums Klima vom 15.03.2019:

In guter Tradition

Die Schüler setzen die historische Reihe fort, die seit mindestens dem letzten Jahrhundert gilt. Jugendbewegungen zeigen den vermeintlichen Polit-profis auf, wie wenig ihre Stimme von ihnen gehört wird und wie wenig die Politiker die Sorgen der jungen Menschen ernst nehmen. Es waren immer junge Menschen, die Wandel dieser Art herbeiführten, so war es beim ausgehenden Kaiserreich im Übergang zur Weimarer Republik, so war es bei verschiedenen friedlichen und gewaltsamen Umstürzen und Revolutionen, so war es in der Zeit der 68er, in der Studenten den »Mief von tausend Jahren« aus Deutschland hinwegfegten, so war es bei der Idealisierung der verschiedenen Formen des Sozialismus und leider auch bei den Rückschritten in den Nationalismus, so war es bei den Demonstrationen gegen atomare Aufrüstung, so war es bei der Antatomkraftbewegung. Immer wieder waren es die jungen Menschen, die auf Missstände mit Gefahren für die Zukunft hingewiesen haben. Man sollte Aufstände der Jugend aber nicht auf die Grenzen Deutschlands begrenzen; der Sturz des Schah-Regimes wurde ebenfalls von Studenten inszeniert, der Schüleraufstand in Soweto im Jahre 1976 läutete das Ende der Apartheid ein. Daran sollten sich die heutigen Eltern und Großeltern erinnern. Zu deren Zeit gab es viele Bewegungen mit Aufstandcharakter, und sie haben einiges bewirkt. Diese jungen Menschen sind sich durchaus ihrer Konsequenzen als Schüler bewusst, und trotzdem zeigen sie das Rückgrat, ihre Meinung zu sagen und sich aktiv für ihre Ideen einzusetzen. Schülern, die hier ihre Meinung in dieser Form vertreten, darf man zu Recht das Lob aussprechen, dass sie schon im jugendlichen Alter ein erhebliches Maß an demokratischer Vollmündigkeit aufweisen. Da überzeugt auch nicht das Argument einiger AfD-Abgordneter, welche den Klimawandel nach dem Beispiel Donald Trumps per se leugnen, dass sie diese Schüler in irgendwelche linken Ecken stellen und ihnen eine Klimahysterie unterstellen. Bundestagsabgeordneten, die der Meinung sind, Schüler an ihre Schulpflicht erinnern zu müssen, sei entgegengehalten, dass deren Anwesenheitsmoral bei Bundestagsdebatten trotz verpflichtenden Wählermandats auch nicht besonders hoch ist. Diejenigen, die der Meinung sind, das bevormundende und reglementierende Recht zu haben, zu fordern, dass Proteste dieser Art außerhalb der Schulzeit stattzufinden haben, müssen sich die Frage stellen lassen, warum Streiks zur Forderung von Tarifrechten nicht außerhalb der Arbeitszeit am Wochenende stattzufinden haben, damit die Arbeitgeber und das Kapital nicht allzu großen Schaden nehmen.
Georg Dovermann, Bonn
Veröffentlicht in der jungen Welt am 15.03.2019.
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