Selbst ein Ei gelegt
Von Aktionsbüro
Am Anfang war’s keine große Sache: Bereits zum zweiten Mal gingen Schülerinnen und Schüler am 5. März auf die Straße, um gegen das Wehrdienstgesetz und die zu erwartende Wehrpflicht zu demonstrieren. Am Rande zeigte die Polizei einen Protestierenden an und nahm ihn kurzzeitig in Gewahrsam (wie es im Amtsdeutsch so schön heißt), weil sie eine Beleidigung ausgemacht hatte. Die Tageszeitung junge Welt war vor Ort und machte den skurrilen Fall öffentlich. Weitere Medien berichteten und zeigten im Tenor wenig Verständnis für das Einschreiten der Polizei. Aber auch EU-Parlamentarier Martin Sonneborn (Die PARTEI) griff den Vorfall auf seine ganz eigene Weise auf.
Am Wochenende darauf reagierten einige Jugendverbände, um die Folgen der Repression einzuschränken. Der Fall wurde von der Onlineabteilung der jW künstlerisch-humoristisch eingeordnet. Ein »Meme« entstand, wie man heutzutage sagt. Hier jedoch geht der Eierlauf erst los: Der Post ging viral, fand also massenhafte Verbreitung. Dem Wunsch, einen Aufkleber daraus zu machen, kamen wir nach und ließen eine übliche Menge produzieren. In weniger als zwölf Stunden verzeichneten wir über hundert Nachfragen: ausverkauft! Eine zweite und dritte Auflage mussten wir ordern, wir hatten bereits mehrere tausend bestellte Sticker registriert. Eine ungeplante und außergewöhnliche Situation, die die Kolleginnen und Kollegen im Verlag bewältigen müssen. Nach dem ersten Schreck geht nun alles seinen Gang, Lieferungen könnten allerdings etwas länger dauern.
So schön die Aufmerksamkeit für die Sticker und die Solidarität gegen Repression ist, eine Sache droht in den Hintergrund zu rücken. Die Eierfrage steht im Raum: Was war zuerst da? Das Protestschild oder das mediale Interesse am Schulstreik? Die Wut auf den baldigen Zwangsdienst (samt berüchtigtem »Hodengriff« bei der Musterung) in der imperialistischen Armee war es ohne Frage. Der Widerstand gegen die Militarisierung der Gesellschaft und die Verweigerung des Einsatzes in kommenden Kriegen sollen Aufwind bekommen. Wenn die Aufmerksamkeit für einen Spruch und das Interesse, die Wehrpflicht zu verhindern, eine Einheit bilden, ist das für alle Beteiligten ein Gewinn. Hoffen wir also für diese, dass es sich nicht um eine Eintagsfliege handelt.
Der nächste Schulstreik ist für den 8. Mai angekündigt. Die junge Welt wird wieder dabei sein.
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