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Fankultur

Macht, Markt, Frauenbundesliga

Fußballerinnen und Funktionärinnen rebellieren mit neuem Verband gegen DFB – und reproduzieren Kommerzlogik

Foto: IMAGO/Norbert Schmidt
Mosaikartig zusammengesetzt: Ein Kirchenfenster aus Bleiglas zeigt den heiligen Aloisius im Fußballdress (Gelsenkirchen, 20.5.2023)

Meinungsstark, zielorientiert, siegesbewusst – drei Skills, die »Macher« im Fußball brauchen. »Macherinnen« ebenso. Im Sportbusiness – besonders jetzt, da die Neuorganisation des deutschen Spitzenfußballs der Frauen zum offenen Machtkampf geworden ist.

Der Clou im Clinch: die Gründung der Frauenbundesliga (FBL) im vergangenen Dezember, nach anderthalbjährigem Knatsch mit den alten Granden des Deutschen Fußballbundes (DFB). Alle 14 Erstligisten stimmten für den neuen Verband.

Ein »historischer Tag«, ein »Aufbruch«, sagte FBL-Vorsitzende Katharina Kiel in den Katakomben des Frankfurter Waldstadions. Ursprünglich sollte das Zeremoniell der »Frauen-DFL« am DFB-Campus in Frankfurt-Süd über die Bühne gehen – als Symbolbild für das geplante Joint Venture. Doch es fehlt an verbandsübergreifender Geschlossenheit, um strittige Fragen der Entscheidungshoheit zu klären – sprich: wer das Sagen haben soll. Kiel erklärte, das gemeinsame Projekt habe sich nicht zerschlagen, man wolle »ergebnisoffen prüfen«. Schließlich sei auch die Deutsche Fußballiga (DFL) damals »alleine losgegangen«.

Nun gibt es einen »Grundlagenvertrag« zwischen DFB und FBL. Der muss noch von einem außerordentlichen DFB-Bundestag im Herbst abgesegnet werden. In Kraft treten soll er am 1. Juli des kommenden Jahres – nach dem gleichen Muster wie seit einem Vierteljahrhundert zwischen DFB und DFL. »Die Frauenbundesliga wird sichtbarer, innovativer und wachstumsfähiger. Der Fokus liegt jetzt auf Umsetzung und Tempo«, so die 34jährige Exmittelfeldspielerin der TSG Hoffenheim Kiel.

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Was meint die Fußballrebellin damit? Eine »Revolution« der Branche – genauer: die konsequente Durchkapitalisierung des Ligabetriebs. Ein übler Vorbote, der üble Name: »Google-Pixel-Frauenbundesliga«. Den Saisonstart absolvieren die letztjährigen Aufsteigerinnen von Union Berlin gegen die Münchnerinnen aus Bayern – Freitag abend, 21. August. Kein Zufall die Auftaktbegegnung: Die Alte Försterei liefert die volle Kulisse, die das »Produkt« braucht.

Ab der Spielzeit 2027/28 will die FBL die Medienrechte selbst ausschreiben. Bislang hat das der DFB gemacht. Erfolgsarm. Ein erhoffter Bundesligaboom blieb aus. Das mediale und kommerzielle Interesse am Nationalteam der Frauen ist hingegen recht groß. ARD-Topschlager war in der Vorsaison die Spitzenpartie VfL Wolfsburg versus FC Bayern mit knapp 1,7 Millionen Menschen an den Bildschirmen. Zum Vergleich: Die Spielerinnen im DFB-Dress locken regelmäßig Millionen vor die Flimmerkiste, bei EM und WM kratzt die Reichweite an der Zehnmillionengrenze. Davon sind die Bundesligistinnen bis dato weit entfernt.

Das will FBL-Präsidentin Kiel ändern. Sie soll dpa zufolge zuletzt mehreren Sendeanstalten und Medienfirmen Vermarktungskonzepte vorgelegt haben. Unterschriftsreif ist wohl noch nichts. Dennoch ist einiges an Planspielen durchgesickert.

Diskutiert werden demnach zwei, drei Modelle. Etwa dieses: Abschaffung der Montagsspiele. Dafür mehrere Parallelspiele in einer Konferenzschaltung oder Playoffs – Formate, die den Spieltag straffen und die Anstoßzeiten vereinheitlichen sollen. Ein Paket auch, um eine drohende Dauerdominanz der Bayerinnen zu erschweren. Denn eine Meisterschaft mit Abomeister verliert eines: den Wettbewerbscharakter. Konzeptideen, angeblich maßgeschneidert für die Zielgruppe der FBL. Die sei nämlich jünger, familienorientierter, markenaffiner und kaufkräftiger als die der Männerbundesliga – eine Marketingprojektion wie aus einer BWL-Basisfibel.

Apropos Kaufkraft und Kommerz, eine doppelte Begleiterscheinung der hyperambitionierten Macherinnen des hiesigen Fußballsports der Frauen dürfte dann sein: Investoreneinstieg und Insolvenzantrag – so wie überall im Big Business bei den Männern. Die FBL startet neu – doch sie startet in einem Geschäft, das seine Krisen stets selbst produziert.

Oliver Rast ist jW-Redakteur für Wirtschaft, Arbeit, Soziales und Sportreporter.

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Erschienen in der Beilage vom 19.08.2026, Seite 1, Sport

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