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Nächstes Ziel? Terrorangst in Europa

»Ist Europa das nächste Ziel?« fragte die Nachrichtenagentur AP am Donnerstag nach den Anschlägen in Marokko und Algerien, zu denen sich angeblich Al Qaida bekannt hat. Der Terror dort habe der Angst in Europa »neue Nahrung gegeben«. Vor allem der gefühlte Terror ist enorm. Nicht zuletzt einflußreiche Medien sorgen dafür. Ein Zusammenhang zwischen den Bombenexplosionen am Dienstag und Mittwoch sei »nicht festzustellen«, räumte das Internetportal Spiegel Online in einer ersten Analyse nüchtern ein, um schließlich massiv Stimmung zu machen. »Der Maghreb wächst zum Terrorschlachtfeld heran – eine Vision, die lokale Terroristen, aber auch Al Qaida, stets herbeigesehnt haben«, wußte Autor Yassin Musharbash, als ob er die islamistischen Bomber persönlich an den Lügendetektor angeschlossen hätte.

Und warum haben die »lokalen Terroristen« die »Vision« vom Terrorschlachtfeld Maghreb? »Nicht zuletzt, weil der Maghreb jene arabische Region ist, die am nächsten am Westen liegt«, resümierte Musharbash. Dies sei unter Experten im übrigen »unstreitig«. Gefragt hatte er Guido Steinberg von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. Der »Terrorexperte« des regierungsnahen Thinktanks bestätigte dem »Terrorexperten« von Spiegel Online denn auch, es bestehe die »unbedingte Gefahr eines Ausgreifens nach Europa«.

»Islamisten haben in den vergangenen fünfeinhalb Jahren stetig an Boden gewonnen, während diejenigen, die den Terror eindämmen wollen, an Boden verloren haben«, sagte Antoine Basbous, Leiter des Pariser Observatoriums für arabische Länder (OPA), am Donnerstag gegenüber AP. »Was wir in den vergangenen Monaten gesehen haben ist ein Beweis, daß es vor den Toren Europas eine neue Macht gibt.« Wer kann da noch Einwände haben gegen den Zugriff hiesiger Polizeibehörden auf »harmlose Paßfotos«?
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In Berlin wurde am Donnerstag die britische Botschaft evakuiert. Nach Polizeiangaben verließen alle Mitarbeiter der Vertretung das Gebäude an der Wilhelmstraße in Mitte. Nach einer Durchsuchung des Gebäudes habe es Entwarnung gegeben. Hintergrund der Sicherheitsmaßnahme: Am Morgen sei in der Botschaft eine Mail eingegangen, die von den Angestellten als »bedrohlich« eingestuft wurde. Angaben zu Inhalt und Absender wurden nicht gemacht. Das benachbarte Nobelhotel Adlon zeigte sich wenig beeindruckt von der Terrorangst und verzichtete auf eine Totalräumung. Statt dessen seien die an der Wilhelmstraße gelegenen Türen verriegelt worden, erklärte eine Sprecherin. Nach einer Stunde war der Spuk vorbei. Die Drohung sei »substanzlos« gewesen, so die Berliner Polizei. In die Terrorstatistik fließt ihr Einsatz freilich mit ein.

(rg)
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Erschienen in der Ausgabe vom 13.04.2007, Seite 3, Schwerpunkt

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