Hafen blockiert, ab zum Generalstreik
Vom Hafenstreik zogen Hunderte Arbeiter am Freitag in Livorno zum Generalstreik. Später blockierten sie wieder den Hafen
Innerhalb weniger Minuten blockieren Hafenarbeiter am Freitag ab 6.30 Uhr an der Ponte Genova in Livorno einen wichtigen Kreisverkehr. Hunderte Streikende sind dem Aufruf der Unione Sindacale di Base (USB) gefolgt. Paletten werden gestapelt, später in Brand gesetzt. Stundenlang sind alle Zugänge zum Hafen blockiert. Mit Feuerwerk und Rauchbomben.
Eine führende Rolle spielt an diesem Vormittag die GAP (Autonome Gruppe der Hafenarbeiter), ein Kollektiv, das seit Jahren gegen den Transport von Waffen über den Hafen von Livorno kämpft. »Mit diesen Blockaden schließen wir uns dem internationalen Hafenstreik an«, erklärte ein GAP-Sprecher am Kreisverkehr. »Zusammen mit den Arbeitern in mehr als hundert Häfen verkünden wir, dass Hafenarbeiter nicht für den Krieg arbeiten. Genau diese imperialistischen Kriege sind die Ursache für den Anstieg der Kraftstoffpreise.«
Die Arbeiter erklären sich »solidarisch mit allen Protestbewegungen in ganz Europa, mit den Lkw-Fahrern in Italien, den Studenten in Paris und allen anderen, die protestieren, weil sie unter den hohen Lebenshaltungskosten leiden«. Kurz vor neun Uhr brechen die Arbeiter ins Stadtzentrum auf, »um sich dem von der USB ausgerufenen nationalen Generalstreik anzuschließen«. Sie werden an einem Marsch teilnehmen.
Den Antikriegsstreik der Hafenarbeiter haben USB und andere Gewerkschaften wie die Syndikalisten von der USI-CIT monatelang vorbereitet. Dem Generalstreik haben sich alle basisorientierten Gewerkschaftsorganisationen angeschlossen. Angesichts der sich verschärfenden sozialen Krise und des harten Vorgehens der Regierungen gegen junge Menschen und soziale Bewegungen ist das kein Wunder.
Die zentrale Piazza Cavour in Livorno ist um neun Uhr gut gefüllt. Arbeiter begrüßen mit Applaus Hunderte Schüler mit Fahnen und Plakaten, die regierungsfeindliche Parolen skandieren. Eine Gruppe von Lehrern entrollt Transparente. »Wir streiken für Lohnerhöhungen und protestieren gegen Krieg und hohe Lebenshaltungskosten«, erklärt Patrizia Nesti von der Gewerkschaft Unicobas, »aber auch gegen Militärpropaganda in den Schulen und gegen rassistische Maßnahmen der Regierung, die den Anteil ausländischer Schüler in den Klassen begrenzen sollen«.
Gleichzeitig gibt es in 50 Städten Italiens Demonstrationen. Die Organisatoren schätzen, dass in ganz Italien zwei Millionen Menschen auf der Straße sind.
Es ist 9.30 Uhr, als sich die Demo in Bewegung setzt, hinter einem Transparent: »Gegen Krieg und Bezahlbarkeitskrise – Livorno steht zusammen.« An der Spitze marschiert eine Delegation der Feuerwehr, gefolgt von einem Transporter, an dem die Fahnen der organisierenden Verbände wehen. Der Zug ist lang und geschlossen: Familien, Studierende, Rentner und sehr viele Arbeiter. An der Via Grande, der Hauptverkehrsader im Zentrum, schließen sich Menschen an, viele winken und machen Fotos. »Wir sind 20.000!« ruft Giovanni Ceraolo von der USB vom Lautsprecherwagen. »Diese Regierung schickt die Polizei, um Studierende zu verprügeln! Es ist eine Regierung, die nicht im Interesse der Arbeiter handelt, die Geld nur für Aufrüstung ausgibt, nicht für Bildung und Gesundheit!«
Gianfranco Barba spricht im Namen von Asia USB, einer Mietervereinigung: Es gibt mittlerweile über 30 Zwangsräumungen pro Monat – praktisch eine pro Tag. Lasst uns das Recht auf Wohnen verteidigen!«
Der Marsch erreicht schließlich den Endpunkt vor der Präfektur. Francesca Albanese, UN-Sonderberichterstatterin für Palästina, kommt auf dem Platz an und steigt unter dem Beifall Tausender Demonstranten auf einen Transporter. »Was die Hafenarbeiter seit Jahren im Kampf gegen den Waffenhandel leisten, ist ein Akt der Zivilisation und verdient jede Unterstützung«, ruft sie ins Mikrofon. »Die Beendigung des Waffenhandels ist kein Akt der Wohltätigkeit, sondern eine gesetzliche Verpflichtung für Italien, das sich seiner Verantwortung nicht entziehen darf.«
Als sich die Demonstration dem Ende neigt, laden Organisatoren alle ein, sich am Nachmittag am Varco Zara in der Nähe der Ponte Genova zu versammeln. Dort werden um 15.15 Uhr die Blockaden vom Vormittag fortgesetzt, vorläufig bis zum Abend.
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