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Wohnkosten

Mieten fressen Kinder auf

Neue SoVD-Studie: Junge Erwachsene legen ihre Zukunft wegen Wohnkosten auf Eis und verschieben die Familienplanung

Von Faheem Hemboum
Foto: Sabine Gudath/IMAGO
Nicht nur sanierte Altbauwohnungen in Berlin-Kreuzberg sind seit Jahren zu teuer

»Fast die Hälfte der Mieterinnen und Mieter hält ihre Miete für unangemessen hoch – gemessen an dem, was ihre Wohnung bietet. Bei den unter 40jährigen sind es sogar rund 60 Prozent«, erklärt Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD). Allein die monatlichen Wohnkosten führen besonders bei jüngeren Menschen zu erheblichen finanziellen Einschränkungen und unsicherer Zukunftsplanung. Das zeigt eine am Donnerstag vorgestellte repräsentative Studie im Auftrag des SoVD. Dazu befragte das Meinungsforschungsinstitut Civey bundesweit zwischen dem 24. September und dem 1. Oktober insgesamt 5.000 Personen, darunter 2.500 Mietende.

»Wenn der Auszug aus dem Elternhaus verschoben wird, Menschen nicht dort wohnen können, wo sie leben möchten, oder sogar ihre Familienplanung ändern, dann entscheidet am Ende der Quadratmeterpreis darüber, wie Menschen ihr Leben gestalten können«, so Engelmeier. »Wohnen ist damit längst nicht mehr nur eine Frage der Bezahlbarkeit, sondern auch der sozialen Sicherheit und der Freiheit, das eigene Leben planen zu können.«

So gaben alle der befragten unter 40jährigen an, wegen hoher Wohnkosten bereits Pläne hinsichtlich Auszug aus dem Elternhaus, Wahl von Wohnort und Wohnung oder Familiengründung geändert oder aufgegeben zu haben. Haushalte mit Kindern sind dabei besonders eingeschränkt. »Eine eigene Wohnung, Familiengründung und die freie Wahl des Wohnortes dürfen nicht zu Privilegien werden«, kritisiert Engelmeier.

Dazu, worauf die Mieter verzichten, schrieb Ines Korzinetzki von der Sozialberatung Widerspruch in Bielefeld am Freitag auf Anfrage von jW, sie hätten es überwiegend mit Personen zu tun, »die (aufstockende) Sozialleistungen zur Sicherung des Existenzminimums beziehen«. Die Kosten für eine ausgewogene Ernährung und Haushaltsenergie seien für viele zu hoch. »Für die Ersatzbeschaffung von Haushaltsgeräten (zum Beispiel eines defekten Kühlschranks) reichen die vorgesehenen Beträge nicht aus. Dadurch sind die Leistungsbeziehenden gezwungen, Einsparungen in anderen Bereichen vorzunehmen, wie z. B. Ausgaben für Kleidung, Möbel, Freizeitaktivitäten, Treffen mit Freunden, einen Besuch im Café...« Im übrigen griffen »immer mehr Menschen auf die Lebensmittel der Tafeln zurück oder suchen Suppenküchen auf. (…) Nicht selten gibt es in den letzten Tagen des Monats kein ausreichendes Essen mehr.«

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48 Prozent der für den SoVD Befragten finden ihre Miete im Verhältnis zur bewohnten Wohnung zu hoch, und ganze 61 Prozent sind nicht zuversichtlich, dass die Kosten langfristig wieder bezahlbar werden. Generell gilt dabei, dass die finanzielle Belastung für jüngere Generationen besonders stark ist, während sie im Alter etwas abnimmt. Auch regionale Unterschiede lassen sich feststellen: In Gegenden mit sehr niedriger Bevölkerungsdichte gaben 68 Prozent der Befragten an, sich in anderen Lebensbereichen finanziell einzuschränken, um die Kosten für die Miete aufbringen zu können, 20 Prozent mehr als in dicht besiedelten Regionen. Es handelt sich also nicht um ein Großstadtproblem.

Anfang Oktober berichtete junge Welt anlässlich der BAföG-Novellierung über eine Analyse der Paritätischen Forschungsstelle, laut der 2025 82,4 Prozent der allein lebenden Studierenden unter der Armutsgrenze lebten. Im Dezember 2025 berechnete die Forschungsstelle in einer Studie zudem, dass 18,4 Millionen Menschen – 22,3 Prozent der Bevölkerung – in Armut leben, wenn berücksichtigt wird, wieviel von ihrem Einkommen nach der Miete bleibt.

Der Mietenreport 2026 des Deutschen Mieterbundes zeigt: Mieten verdrängen immer stärker andere Grundbedürfnisse und sorgen dafür, dass Menschen, die zur Miete wohnen, in anderen Lebensbereichen sparen und etwa auf wichtige Anschaffungen (46 Prozent), gesunde Ernährung (25 Prozent) oder Ausgaben für die Gesundheit (15 Prozent) verzichten müssen. Fast jeder Vierte könnte die Miete im Krisenfall, etwa bei Jobverlust oder gesundheitlichen Einschränkungen, noch für maximal drei Monate zahlen.

»Wohnen wird zu einem immer größeren Armutsrisiko«, beobachtet Engelmeier: »Wir brauchen mehr dauerhaft bezahlbaren und barrierefreien Wohnraum, wirksamen Mieterschutz und ein starkes Wohngeld.«

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Erschienen in der Ausgabe vom 31.10.2026, Seite 5, Kapital & Arbeit

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