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Von den USA geschützt
Kein Vergessen: Havanna gedenkt zum 50. Jahrestag der Opfer des Terroranschlags auf kubanische Passagiermaschine. Die Täter lebten bis zu ihrem Tod unbehelligt in Miami
Kuba gedachte am Dienstag der Opfer, die vor 50 Jahren bei der Explosion eines Passagierflugzeugs der Fluggesellschaft Cubana de Aviación getötet wurden. Zwei ehemalige CIA-Agenten kubanischer Herkunft plazierten zwei Bomben in dem Flieger. Bei dem Terroranschlag kamen 73 Passagiere und Besatzungsmitglieder aus Kuba, Guyana und der Demokratischen Volksrepublik Korea ums Leben. Die Täter wurden ermittelt, die Hintermänner und Auftraggeber lebten jedoch bis zu ihrem Tod auf freiem Fuß in den USA. Während die Kubaner seit 50 Jahren der Ermordeten gedenken und Gerechtigkeit fordern, bezeichnet ausgerechnet Washington, dessen Dienste die Anschlagspläne kannten, die sozialistische Inselrepublik als Bedrohung und Förderer des Terrorismus.
Am 6. Oktober 1976 wurde die Maschine des Flugs CU455 kurz nach dem Start in Bridgetown (Barbados) von zwei explodierenden Sprengsätzen in Stücke gerissen. Die Leichenteile der 73 Insassen versanken verstreut im Karibischen Meer, darunter auch die von 24 jugendlichen Mitgliedern der kubanischen Fechtauswahl, die zuvor bei Meisterschaften in Caracas alle Titel gewonnen hatten. Geborgen wurden lediglich die sterblichen Überreste von acht Kubanern. Sie wurden zum Symbol für alle Opfer des von der CIA geduldeten Terroraktes. Hunderttausende nahmen damals am 15. Oktober schweigend und mit Tränen des Schmerzes und des Zorns in den Augen an der Trauerfeier auf der Plaza de la Revolución in Havanna teil.
Barbados wurde zum Symbol einer Politik des Staatsterrorismus, die seit mehr als 60 Jahren fast alle ihre Waffen gegen Kuba erprobt hat: Invasion, Sabotage, Banditentum, Attentate, schmutziger Krieg, Terrorismus. Die Ermittlungen ergaben, dass die Drahtzieher der Anschläge Luis Posada Carriles und Orlando Bosch Ávila waren, zwei kubanische Contras, die als CIA-Agenten in ganz Lateinamerika tätig waren und aufgrund mehrerer geplanter sowie durchgeführter Attentate und Anschläge selbst vom US-Justizministerium und dem FBI als Terroristen eingestuft wurden. Aus freigegebenen Dokumenten der CIA geht hervor, dass der US-Geheimdienst bereits vier Monate vor der Sprengung des Flugzeugs von den Anschlagsplänen wusste. So wurde in einem CIA-Bericht vom 22. Juni 1976 vor Boschs Absicht gewarnt, Sprengstoff an Bord eines Flugzeugs der Cubana de Aviación zu bringen. Die Informationen wurden an das US-Außenministerium, das Pentagon und das FBI weitergeleitet, die kubanischen Behörden jedoch nicht vor den Terrorplänen der Contras gewarnt. Trotz umfangreicher Beweise und Forderungen Kubas nach ihrer Auslieferung schützte Washington die Täter, die bis an ihr Lebensende in Miami lebten.
Die Straflosigkeit habe dem Verlust »eine zweite Wunde hinzugefügt«, kommentierte das Zentralorgan der kubanischen Regierung Granma am Dienstag. Im Jahr 2022 erklärten die Karibische Gemeinschaft (Caricom) und Kuba auch deshalb den 6. Oktober zum Tag der Opfer des Staatsterrorismus. Auf der Insel wird an diesem Tag auch der über 3.478 getöteten Landsleute und 2.099 Verletzten gedacht, die im Laufe von mehr als sechs Jahrzehnten durch von den USA organisierte und finanzierte terroristische Angriffe zu Schaden gekommen sind.
Der kubanische Journalistenverband erinnerte daran, dass das Ereignis, das nach wie vor als einer der schwersten Terroranschläge gegen die Zivilluftfahrt auf dem amerikanischen Kontinent gilt, zugleich als ein noch nicht abgeschlossener Gerichtsfall zu betrachten sei. »Wir vergessen nicht, dass Gerechtigkeit noch aussteht. Wir werden nicht zulassen, dass die Geschichte ausgelöscht, und der Schmerz in Schweigen verwandelt wird. Wir werden nicht zulassen, dass sich Straflosigkeit als Vergessen tarnt«, sagte die Vertreterin des Kommunistischen Jugendverbands UJC, Elisbel Durán Borroto, am Dienstag auf der Gedenkfeier für die Opfer, an der auch Präsident Miguel Díaz-Canel, Premierminister Manuel Marrero und Parlamentspräsident Esteban Lazo teilnahmen.
»Jeder Name, jedes Gesicht, jede Geschichte der Menschen, die an Bord dieses Flugzeugs waren, bleibt im nationalen Bewusstsein als Symbol für Opferbereitschaft und Widerstand eingebrannt«, erklärte Yadelis Valencia, die Enkelin eines der getöteten Besatzungsmitglieder. Yusi Mercedes Rodríguez von der Kommunistischen Partei Kubas (PCC) prangerte an, dass ihr Land 50 Jahre später unter neuen Formen des Terrorismus leide, zu denen der Wirtschaftskrieg ebenso gehöre wie die Aufnahme Kubas in die US-Liste vermeintlicher staatlicher Sponsoren des Terrors. Die Granma bezeichnete das als Umkehr, durch die das Opfer beschuldigt wird, der Täter zu sein.
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