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Hafentarif

Seehäfen: Unbeliebter Abschluss kommt

Abstimmung über unbefristeten Streik scheitert. Verdi akzeptiert 3,4 Prozent mehr Tariflohn

Von Mirko Knoche
Foto: BREUEL-BILD/IMAGO
Durchgewinkt: 3,4 Prozent mehr Lohn für die Hafenarbeiter

Das Tarifergebnis von 3,4 Prozent mehr Geld für 11.000 Hafenarbeiter in den Nordseehäfen steht – mit zwölf Monaten Laufzeit und einer rückwirkenden Zahlung ab August dieses Jahres. Nach »intensiver Beratung« habe die Bundestarifkommission das Angebot des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) angenommen, teilte die Gewerkschaft Verdi am Dienstag mit. Es sei »eine schwierige Runde gewesen, das Ergebnis unterm Strich aber annehmbar«, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Sylvi Krisch laut einer Mitteilung.

Zuvor waren die 8.700 Verdi-Mitglieder in sechs deutschen Seehäfen zu einer Mitgliederbefragung über Annahme des Angebots oder unbefristeten Streik aufgerufen. Diese dauerte bis zum vergangenen Donnerstag. Zur Abstimmung standen auch 200 Euro mehr Urlaubsgeld für alle Beschäftigten ab 2027 und eine Erhöhung der Jahrespauschale in Containerbetrieben um 416 Euro ebenfalls ab dem kommenden Jahr. Eine laut Gewerkschaftssatzung notwendige Dreiviertelmehrheit der Mitglieder für einen Erzwingungsstreik kam nach jW-Informationen nicht zustande. Dennoch lehnte demnach eine deutliche Mehrheit der Abstimmenden das Verhandlungsergebnis ab. Verlangt hatte Verdi ursprünglich 8,2 Prozent mehr Lohn bei einjähriger Laufzeit und mindestens 2,50 Euro extra pro Stunde.

Der Kapitalverband ZDS begrüßte am Dienstag die Einigung. Beide Tarifparteien hätten »Verantwortung für die Stabilität und Zuverlässigkeit der deutschen Seehäfen« übernommen, hieß es in einer Stellungnahme. Der Kollektivvertrag gilt in Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Brake, Wilhelmshaven und Emden. »Der Abschluss würdigt die wichtige Arbeit der Beschäftigten und berücksichtigt zugleich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unserer Unternehmen«, erklärte ZDS-Verhandlungsführer Torben Seebold, der 2019 die Seiten gewechselt hatte und zuvor für Verdi am Tisch saß.

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Unternehmer und Gewerkschaft hatten in vier Gesprächsrunden über die Bezahlung in den deutschen Seehäfen verhandelt. Nach der zweiten Verhandlungsrunde im August traten die Hafenarbeiter in einen 24stündigen Warnstreik, nach der dritten Runde streikten sie Anfang September für ganze 48 Stunden. Daraufhin akzeptierten die Hafenbetreiber eine zwölfmonatige Laufzeit für den Lohntarif. Die Jahresfrist stellte sich während der Tarifbewegung als zentrale Forderung der Belegschaft heraus. Diese erreicht zu haben, werteten verschiedene Gewerkschafter nach jW-Informationen als Erfolg.

Zwischen den Verhandlungsrunden besprachen über 100 Tarifbotschafter den jeweiligen Ergebnisstand mit den Beschäftigten. Die Tarifkommission orientierte sich daraufhin an den Beratungen. »Es war der richtige Weg, die Beschäftigten so intensiv einzubeziehen, dass die Verhandelnden immer wissen, was die Basis will«, kommentierte Gewerkschafterin Krisch am Dienstag. Das Verfahren war eingeführt worden, weil Teile der Belegschaft mit vergangenen Tarifabschlüssen unzufrieden gewesen waren. Hier sieht das WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ein Erfolgsmodell: »Mit Rückkopplung wieder gewinnen lernen«, bilanzierten Forscher des Instituts im Oktober drei vergangene Lohnrunden, die auf Tarifbotschafter gesetzt hatten: Textilindustrie, Lufthansa und Öffentlicher Dienst.

Der jüngste Abschluss bewegt sich im branchenübergreifenden Vergleich wegen der kurzen Laufzeit am oberen Ende. Die Angestellten der niedrigsten Vergütungsgruppe in den Seehäfen erhalten ab sofort 19,50 Euro pro Stunde, die der höchsten 34,70 Euro. Das ergibt monatliche Erhöhungen zwischen gut 111 Euro und fast 198 Euro brutto. Laut dem WSI-Tarivarchiv stiegen die Löhne gesamtwirtschaftlich bis Mitte 2026 in einer Erhebung von Ende August um durchschnittlich 3,1 Prozent. Die Inflation lag damals noch bei 2,4 Prozent. Verdi konnte in den Seehäfen zwar rückwirkend zu August mit 3,4 Prozent abschließen, zuletzt betrug die Preissteigerungsrate im September aber bereits 3,3 Prozent. So lag die Reallohnsteigerung bundesweit im ersten Halbjahr noch bei 0,7 Prozent. Die Hafenarbeiter konnten wegen der Geldentwertung im September aber nur 0,1 Prozent realisieren.

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.10.2026, Seite 5, Inland

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