Tierliebhaber des Tages: Karol Nawrocki
Der Pole und das Pferd, das ist seit Jahrhunderten ein besonderes Paar. Ein Erbe der frühneuzeitlichen Adelsrepublik, in der nur die herrschende Klasse Pferde halten durfte und die polnische Armee für ihre Kavallerie berühmt war. Noch heute verspricht man, wenn man sagen will, dass man sich die Erfüllung eines Wunsches etwas kosten zu lassen bereit ist, »ein Pferd mit Zaumzeug«, und eine waghalsige Fahrweise wird als »Ulanenphantasie« beneidet.
Die im Fernsehen sichtbaren Dienstlimousinen der polnischen Regierung kommen aus München oder Ingolstadt. Klar, dass das einem richtigen polnischen Patrioten im Halse steckt wie eine Gräte des Weihnachtskarpfens. Insofern ist das, was vergangene Woche die Gazeta Wyborcza enthüllte, nicht so überraschend, wie es klingen sollte: Staatspräsident Karol Nawrocki halte in einer seiner Residenzen außerhalb von Warschau insgesamt vier Pferde: je eines für sich und seine Frau, ein Pony für die achtjährige Tochter des Paares und ein viertes für den Staatsschützer, der den Präsidenten bei seinen Ausritten begleitet und dem Kind nebenbei das Reiten beibringen soll.
Unterhaltskosten für den Reitstall: Umgerechnet etwa 3.000 Euro pro Monat, bezahlt aus dem Etat der Präsidialverwaltung. Zwei Gäule wurden erst nach Nawrockis Amtsantritt gekauft, einen hatte der Krakówer Zoo Nawrockis Amtsvorgänger Andrzej Duda geschenkt. Drei weitere Pferde stammen aus Militärbeständen und verzehren dort ihr Gnadenbrot. Warum Nawrocki nicht sie nutzen konnte, wenn er schon im Amt seine Leidenschaft für den Reitsport entdeckte, erklärte sein Sprecher nicht. Statt dessen warf er der Regierung vor, den Leuten die Obhut über Tiere verleiden zu wollen. Wahrscheinlich wollte Nawrocki genau deswegen im vergangenen Jahr ein strengeres Tierschutzgesetz verschleppen.
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