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Jobvernichtung

Streichorgien trotz Rekordgewinnen

Dax-Konzerne vernichten im europäischen Vergleich am meisten Jobs – nur Rüstung boomt

Foto: Wolfilser/IMAGO
Bedrohlich: Der Rotstift

Im vergangenen Jahr haben die 40 im Deutschen Aktienindex (Dax) gelisteten Konzerne laut einer Untersuchung der Prüf- und Beratungsgesellschaft EY 47.700 Arbeitsplätze vernichtet. Im Inland seien demnach ein Prozent aller Jobs weggefallen. Im Ausland, wo zwei Drittel aller Angestellten von Dax-Konzernen tätig sind, waren es 1,3 Prozent. In den anderen untersuchten Ländern ist die Lage besser: Frankreichs Top-Börsenunternehmen hätten 0,2 Prozent der Stellen gestrichen, in Spanien und Italien sei es sogar zu einem Aufwuchs um je 0,9 Prozent gekommen.

Nicht nur beim Stellenabbau haben die Großkonzerne der BRD die Nase weit vorn: Gleichzeitig fahren sie Rekordgewinne ein. Schon im ersten Halbjahr 2026 konnten die Dax-Unternehmen ihre Profite gegenüber dem Vorjahr um 13,5 Prozent auf 68,3 Milliarden Euro steigern. Analysten des Handelsblatt Research Institute gehen davon aus, dass am Jahresende ein Plus von knapp 130 Milliarden steht – und dass im laufenden Jahr mindestens 13 Dax-Konzerne so große Gewinne einfahren wie nie zuvor.

Für den Stellenabbau sind vor allem die größten der Großkonzerne verantwortlich, wie die EY-Studie weiter zeigt: Während 69 Prozent der Dax-Unternehmen mit mehr als 100.000 Stellen die Belegschaften verkleinerten, sei die Zahl der Arbeitsplätze bei den kleineren der gelisteten Firmen um 3,5 Prozent gestiegen. In anderen Ländern sieht es ähnlich aus: Insgesamt sei die Beschäftigung bei Unternehmen mit weniger als 25.000 Beschäftigten um 0,7 Prozent gestiegen, während sie bei jenen mit mehr als 100.000 Beschäftigten um 0,3 Prozent gesenkt wurde.

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Ein »ernstes Signal für den Standort Deutschland« wären diese Zahlen, kommentierte Constantin Gall, EY-Parthenon Managing Partner für Westeuropa, die Befunde. Die Kombination aus schwacher Konjunktur, hohen Kosten, Überregulierung, internationalem Wettbewerbsdruck und strukturellem Transformationsbedarf schlage sich zunehmend auf die Beschäftigungszahlen nieder. Hohe Gewinne hätten dafür gesorgt, »dass ineffiziente Strukturen entstanden sind, Verwaltungsapparate zu groß wurden und zu viele Managementebenen eingezogen wurden«. Das räche sich jetzt.

Zwar ist die Entwicklung nirgends so mies wie in Deutschland, die EY-Analyse zeigt jedoch auch, dass der »Standort Europa« insgesamt auf dem absteigenden Ast ist und Arbeitsplatzverlagerungen ins Ausland Konjunktur haben: Nur noch 60 Prozent der Belegschaften beschäftigten die 155 untersuchten Konzerne in Europa. 2025 habe die Zahl der Arbeitsplätze in Europa um 1,1 Prozent abgenommen, während bei Niederlassungen in Nordamerika und der Region Asien-Pazifik Zuwächse zu verzeichnen gewesen seien. Dies sei »ein Indikator dafür, wohin Investitionen und Wachstumsperspektiven künftig wandern dürften«, so Gall.

Nach Branchen gab es den größten Stellenabbau unter den Konsumgüterproduzenten und in der Pharmaindustrie, wo jeweils über vier Prozent der Arbeitsplätze vernichtet worden seien. Auch die Beschäftigten von Ölkonzernen, Banken und Autofirmen gehörten zu den Verlierern. Die Automobilbranche vernichtete mit minus vier Prozent vor allem im Inland Jobs, während der Rückgang im Ausland mit minus einem Prozent moderater ausfiel. Ein kleines Stellenplus habe es unter anderem bei Immobilienkonzernen und Anbietern von Informationstechnologien gegeben. An der Spitze steht einmal mehr die boomende Rüstungsindustrie: Dort sei die Zahl der Arbeitsplätze um 4,3 Prozent gestiegen.

»Rüstungsunternehmen profitieren von steigenden Verteidigungsbudgets und vollen Auftragsbüchern. In anderen Branchen, etwa im Automobilsektor, in der Chemie oder bei Konsumgütern, ist der Kostendruck erheblich«, resümierte Mitautor Martin Gerber bei der Veröffentlichung der Studie. Auch für die Zukunft der deutschen Wirtschaft zeichnet er ein düsteres Bild: »Zwar zeigen die Zahlen für 2025 noch keinen flächendeckenden massiven Stellenabbau. Aber: Viele Restrukturierungsprogramme dürften erst zeitverzögert in den Beschäftigungszahlen sichtbar werden.«

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.09.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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