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Konservatismus

Nur für Ehefrauen

USA: Rechtes Hochglanzmagazin Evie betreibt sexuelle Aufklärung – entlang konservativer Ideologie

Von Mara Luise Günzel
Foto: NurPhoto/IMAGO
Sie gehört nicht zum Zielpublikum und fordert eine wirklich feministische Aufklärung ein (Toulouse, 8.3.2025)

Es braucht eine »neue sexuelle Revolution« – so sehen es zumindest die Herausgeber des rechtsalternativen Evie Magazins aus den USA. Entsprechend widmete das Ehepaar Gabriel Hugoboom und Brittany Martinez die diesjährige Printausgabe des knapp 200 Seiten starken Hochglanzmagazins dem Themenschwerpunkt Sex. Und zwar aus konservativer Perspektive und nur an Ehefrauen gerichtet. Denn bislang sei alles, »was Sex spannend und verlockend erscheinen ließ, den sogenannten Progressiven vorbehalten« gewesen. Die Befreiung der weiblichen Sexualität durch die »alte sexuelle Revolution« sei im »Desaster« geendet. Das Onlineportal Slate fasste den Ansatz der Hugobooms in einer Rezension so zusammen: »Das Magazin hat sich auf konservativ geprägte Lösungen für Probleme spezialisiert, die von Konservativen verursacht wurden.«

Vor allem junge Frauen sollen bei der Suche nach Lifestyleinhalten oder Sextips nicht bei linksliberalen Magazinen wie der Teen Vogue landen, sondern in das reaktionäre Medienökosystem eingebunden werden, das neben religiös-enthaltsamen Sexualvorstellungen (für die Frau) politische Inhalte der sogenannten Alt-Right-Bewegung in den USA verbreitet. So zieht sich durch die Website von Evie – zwischen Mode- und Wellnesstrends oder koreanischen Make-up-Tips – der Vorwurf, »der Feminismus« habe »das Aussterben der Weiblichkeit« herbeigeführt. Das Magazin bietet also alles, was die konservative Frau benötigt, um im Trend und gleichzeitig in einem konstanten Zustand des reaktionären Kulturkampfes zu bleiben.

Die »Sex«-Ausgabe gibt sich wie das Magazin allgemein bewusst unpolitisch, und die Herausgeberin erklärt stolz: »Das ist das Ehrlichste, Ausführlichste und Mutigste, was ich zu diesem Thema je in gedruckter Form gesehen habe.« In der Tat finden sich wichtige Anatomielektionen zum weiblichen Körper und Fakten über sexuelle Erregung, Orgasmen (»The complete orgasm roadmap«, Der komplette Fahrplan zum Orgasmus) oder sexualgesundheitliche Probleme wie Vaginismus, die es teils noch nicht in Medizinlehrbücher geschafft haben. Klar ist allerdings auch, an wen sich das ausschließlich richtet: »die Frau, die alles darüber erfahren möchte, wie sie mit ihrem Ehemann ein leidenschaftliches, aufregendes und tief verbindendes Sexualleben aufbauen kann«.

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Auf einer Liste unverhandelbarer Dinge für sexuelle Gesundheit steht neben banalen Dingen wie dem Toilettengang nach dem Sex und gynäkologischer Vorsorge ein kurzer Text zur Geburtenkontrolle – ein Thema, das sich durch das gesamte Magazin zieht. Denn die Hugobooms haben nicht nur 2019 Evie aus der Taufe gehoben, sondern drei Jahre später mit der App »28byEvie« (später umbenannt in »­­28.­co«) eine Anwendung zum Tracken des weiblichen Zyklus herausgebracht. Diese wirbt mit »Women are not small men. Move, eat, live in sync with your cycle« (Frauen sind keine kleinen Männer. Bewege dich, esse und lebe synchron zu deinem Zyklus). Der Hauptinvestor dieser App ist mit zwei Millionen US-Dollar der ultrarechte Techmilliardär Peter Thiel, der auch die Überwachungssoftware Palantir mitgegründet hat. Und während – wiederum zu Recht – moniert wird, dass Frauen gar nicht erst beigebracht wird, wie man mit dem eigenen hormonellen Zyklus umgeht, oder dass hormonelle Verhütungsmethoden nicht ohne Risiko sind, scheinen andere Verhütungsmöglichkeiten keine Rolle zu spielen.

Hugobooms Forderung, dass es eine neue »sexuelle Revolution« brauche, die tatsächlich für die Frauen ist, spricht aus, was viele Frauen fühlen. Die sexuelle Revolution war in den 1960ern ein wichtiger Schritt, um öffentlich über Sexualität zu sprechen und sie zu ent­ta­bu­i­sie­ren. Evie ist auch ein Produkt davon, und der inhaltliche Fokus auf weibliche Lust und die (zugegeben gute) Bildung sind absolut im Einklang damit. Die sexistische und kapitalistische Gesellschafts- und Beziehungsordnung konnte jedoch nicht überwunden werden. Und die weltweiten Kürzungen in den Sozialsystemen, einhergehend mit einem reaktionären Rollback, bedrohen nun einen ihrer wichtigsten Erfolge: die verpflichtende sexuelle Bildung in Schulen. Andere Faktoren, die das Sexualleben beeinflussen, wie ökonomischer und physischer Stress sowie Sorgearbeit, kommen bei Akteuren wie Evie nur in der Form vor, dass der Feminismus daran schuld und die heterosexuelle Ehe der Ausweg daraus sei. Um weibliche Sexualität aber tatsächlich zu revolutionieren, müssen wir den Angriffen auf den Sozialstaat ein Ende setzen und Sorgearbeit gesellschaftlich gerecht verteilen. Dafür braucht es dann doch etwas mehr als guten Cunnilingus.

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.09.2026, Seite 15, Feminismus

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