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Triumph der Fledermäuse

Foto: Página 12
Hurra, Copa América! Die argentinischen »Murciélagas« (Fledermäuse) mit Pokal (9.9.2026)

Einen wunderschönen guten Morgen! Die »Murciélagas« (Fledermäuse), die argentinische Nationalauswahl blinder Frauen, haben in Brasilien die erste Copa América (Südamerikameisterschaft) der Geschichte gewonnen. Und besser ging das nicht. Ein Titel ohne Gegentreffer, das erinnerte doch verschärft an den Olympiagewinn der Männer von Marcelo Bielsa im Balltreten für Sehende in Athen 2004. Torschützenkönig wurde damals ein gewisser Carlos Alberto Tévez, heute Trainer, mit acht Treffern. Am selben Tag gewannen die argentinischen Basketballer um Manu Ginóbili Olympiagold. Es waren die ersten Goldmedaillen bei Sommerspielen für die Silberländer seit Helsinki 1952. Ein historischer Tag.

In der Gruppenphase besiegten die Murciélagas Mexiko (3:0), Kanada (3:0) und Brasilien (1:0). Im Finale wiederholten die Gauchas dieses Resultat in São Paulo mittels eines maradonianischen Treffers der historischen Kapitänin Gracia Sosa Barreneche (ihr viertes Turniertor). Die Nummer acht Argentiniens dribbelte einfach alle Gegnerinnen in unwiderstehlicher Manier aus und versenkte die Pille schließlich mit dem Außenrist im langen Eck.

Im Gegensatz zu den Männern (Murciélagos) wurde die Frauenblindenauswahl erst 2019 von der argentinischen Föderation für Blinde Sportler (FADEC) ins Leben gerufen, unterstützt vom Nationalen Sporthochleistungszentrum (CENARD), mit dem Ziel, an der WM 2020 in Nigeria teilzunehmen, die jedoch aufgrund der Covidpandemie suspendiert wurde. Initiiert wurde die nationale Frauenauswahl mit Kickerinnen der Romanas (Buenos Aires), der Estrellas de Salta sowie den Guerreras (Alta Córdoba), den drei Gründungsmitgliedern (2016) der nationalen Frauenliga für Blinde. Ende 2021 bestritten die Murciélagas schließlich ihre ersten beiden offiziellen Matches, jeweils gegen die Auswahl Kolumbiens. Die Argentinierinnen gewannen beide und somit die »Copa Latinoamericana«. Zwei Fußballspiele und schon ein Titel, so kann’s gehen. Der HSV kletterte ja am Sonnabend spiellos auf den vorletzten Bundesligatabellenplatz, weil Borussia Mönchengladbach mal wieder glänzte.

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Im August 2023 wurden die Murciélagas gleich bei ihrer ersten WM-Teilnahme (in Birmingham) nach einem 2:1-Finalsieg gegen Japan unbesiegt (12:1 Tore) Weltmeisterinnen. Der einzige Gegentreffer war ein Eigentor im Finale. Beide Tore für Argentinien schoss Yohana Aguilar, die auch beachtlich erfolgreich im Rollkunstlauf und in der Leichtathletik ist. Mit sieben Treffern wurde sie zudem unangefochten WM-Torschützenkönigin. Zwei Jahre darauf verteidigten die Murciélagas ihren WM-Titel im indischen Kerala. Argentinien gewann alle Spiele und kassierte kein Gegentor. Anders ausgedrückt: zwei Weltmeisterschaften, neun Siege, ein Remis (0:0 gegen Österreich), 22:1 Tore. Effektivität schreibt sich genau so. Im Halbfinale in Kerala wurde Brasil entzaubert, im Finale die Engländerinnen.

Mit dem Copa-América-Gewinn in Brasilien hat sich das Team von Gonzalo Abbas Hachaché auch für die kommende WM qualifiziert. FADEC-Präsident David Peralta soll entzückt sein. In den 90ern gab es mal ein von Linus Volkmann kolportiertes popkulturelles Fanzine namens Komm Küssen. Das kennt David zum Glück nicht.

Die siegreiche Frauschaft setzte sich zusammen aus den Torbewacherinnen Micaela Segovia und Ludmila Bianchi sowie den Feldspielerinnen Florencia Rodas, Elena Quinteros, Yohana Aguilar, Micaela Ortíz, Gracia Sosa, Florencia Massenzana, Agustina Medina Páez und Guillermina Corrales. ¡Felicitaciones, campeonas!

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Erschienen in der Ausgabe vom 16.09.2026, Seite 16, Sport

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