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Im Kreuzfeuer der Banjos

Von Pierre Deason-Tomory
Foto: MediaPunch/IMAGO
Wer mochte sie nicht? Dolly Parton (19.1.1946–25.8.2026)

Ein feinfühliger Kollege hat nach dem Tod von Dolly Parton im August eine epische Dokuserie in der Arte-Mediathek nach oben geschoben, in der der Verstorbenen ein Kapitel gewidmet ist: »Country Music« (2019) von Ken Burns. Ich habe die neun Folgen des Werks vor einiger Zeit nacheinander weggeschaut und war den Tränen nahe, als Hank Williams »I’m So Lonesome I Could Cry« sang. Noch ein anderes Mal wollte ich weinen. Da wurde gezeigt, wie die Nitty Gritty Dirt Band 1966 mit alten Country- und Bluegrass-Größen das Album »Will the Circle Be Unbroken« aufnahm. Mainstreamluschen wie Garth Brooks spielen in der Serie praktisch keine Rolle, Burns breitet in siebeneinhalb Stunden die verschiedenen Quellen und die Vielfalt dieser Erscheinung US-amerikanischer Volksmusik aus. Country ist ein weites Feld und Burns ein großer Erzähler.

Es gibt einen Radiosender, der den ganzen Kosmos des Genres abbilden will, »a variety from traditional to progressive«, wie er es selbst beschreibt, mit einem Schwerpunkt auf Bluegrass. Er sitzt in Washington, D. C., und nennt sich schlicht Bluegrass Country, was Digitaldementen wie mir hilft, ihn im Netz zu finden. Die DJs sind altgediente Profis, die reden und auflegen können und riesige Plattensammlungen mitbringen. Die Jocks reiten im Kreuzfeuer der Banjos und Fiddles in aller Ruhe durchs Programm, ohne Service­blöcke, Werbung und Jinglegeklingel. Ursprünglich machten sie das auf WAMU 88,5, doch das hauptstädtische Public Radio war 2017 pleite und formatierte um auf News-Talk. Also gründeten Stammhörer eine Stiftung, die seitdem Bluegrass Country betreibt, verbreitet lokal über Digitalradio und weltweit im Internet. Seien Sie gewarnt: Dieser Sender verursacht fortgesetzte Zuckungen.

Wir beginnen mit entzückenden Programmvorschlägen und zweimal Klaus Mann: Zu seinem 120. Geburtstag am 18. November bringt Radio 3 eine Lesung des Romans → »Symphonie Pathétique« (1/18) mit Sylvester Groth (MDR 2024, Di., 13.30 Uhr) und Bayern 2 das Hörspiel → »Vergittertes Fenster« (BR 2020, Fr., nach 20.03 Uhr). Marisa Gierlinger erzählt im Feature → »Schnitzel with Noodles« die kuriose Geschichte, wie der Film »The Sound of Music« weltweit ein putziges Österreich-Bild erschuf (BR 2024, Di., 16.05 Uhr, Ö 1).

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Vom Wirken und Sterben eines EU-Beamten handelt → »Die Lebensentscheidung«, der jüngste Roman von Robert Menasse; Auszüge liest der Autor in den »Radiogeschichten« (Mi., 11.05 Uhr, Ö 1). Dass man mit einem kommunistischen Beuteltier Beute machen kann, hat der Held der neuen »Querköpfe«‑Ausgabe herausgefunden: → »Marc-Uwe Kling« (Mi., 21.05 Uhr, DLF). Die Brausepanscher vom roten Bullen saugen derweil das letzte Nass aus dem märkischen Boden, Maike Hildebrand fragt: → »Wem gehört das Wasser?« (Fr., 15.05 Uhr, SWR Kultur).

Drei Jahre nach dem Erscheinen von Tonio Schachingers Buchpreisgewinner → »Echtzeitalter« steht bei Ö 1 die Hörspielpremiere an (HR, ORF 2026, Sa., 14 Uhr). Auf derselben Welle wird am Samstag abend die Oper → »Jean de Nivelle« von Léo Delibes übertragen, mitgeschnitten im Januar im Budapester Palast der Künste (19.30 Uhr, Ö 1). Direkt im Anschluss läuft ebendort ein »Jazznacht Spezial« zu → »100 Jahre John Coltrane« (Sa., 22.35 Uhr, Ö 1).

Als Alternative zur großen französischen Oper bietet SRF 2 Kultur das vierte Hörstück von Michèle Rusconi, → »Rosetta and the Icy Drifter«, auf der Reise zum Kometen Tschuri (SRF 2026, Ursendung, Sa., 20 Uhr). »Dok 5 – Das Feature« bleibt bodenständig bis unterirdisch und beschreibt den → »Kulturkampf im Wald« vernagelter Bürger gegen moderne Windmühlen (WDR 2026, So., 13.04 Uhr, WDR 5). Und Thomas Kruchem fragt aus guten Gründen → »Schuldig ohne Urteil?«, und verweist auf »EU-Sanktionen gegen angebliche Russland-Sympathisanten« (Mo., 19.30 Uhr, DLF Kultur).

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.09.2026, Seite 14, Feuilleton

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