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künstliche Intelligenz

MusKI

Rapos Rapport.Musik und künstliche Intelligenz

Foto: VCG/IMAGO
Schon jetzt besser als Lars Ulrich

Meine Sommerkolumne. Ich schreibe also weniger über Wissenschaftliches, über Freizeitliches statt dessen. Natürlich darf man, wenn man in eiszeitlich, das heißt lutherisch überformten Gefilden aufgewachsen ist, nirgends vielbeschäftigter sein als in seiner Freizeit. Ich zum Beispiel schreibe u. a. diese Kolumne, einen Blog und mache Musik mit meiner Band »LERM mit E«.

Nun ist seit einigen Jahren möglich, Musik von KIs anfertigen zu lassen. Diese KIs, KI-typisch auf leicht meschuggene Namen wie »Suno« oder »Udio« getauft, wurden mit menschgemachter Musik trainiert und fabrizieren auf Text-Prompt hin komplett hörfertige Stücke. Neben kostenlosen Probierversionen, die auf wenige Minuten Musik pro Tag limitiert sind, kann sich, wer zahlt, je nach Tarif Dutzende bis Hunderte Songs am Tag zusammen »prompten«. Außerdem kann man Songtexte vorgeben (auch gern KI-generiert), oder ob er von einer weiblichen oder männlichen Stimme gesungen werden, oder ob der Song düsterer oder fröhlicher klingen soll, ein Gitarrensolo hineinwünschen usw. Die KI-gefertigte Musik klingt in der Regel »amtlich« (musikerdeutsch für »nicht amateurhaft, könnte im Radio laufen, klingt wie andere Musik«). Ja, gut. Wozu dann also noch Freizeit in einer Band verschleudern, wenn Maschinen genauso schön lermen können?

Davon, dass das Training dieser KI-Maschinen unter den unblutigen Diebstählen wahrscheinlich noch die »Konstantinische Schenkung« in den Schatten stellt (bei welcher Gelegenheit sich der christliche Klerus ungeheure Ländereien unter den Nagel riß), davon, dass Hunderttausende Musiker, deren Werke zum Training ungefragt und natürlich auch unentgolten verwendet werden, nun blöd in die Röhre gucken, davon, dass der Staat, der eigentlich an dieser Stelle schützend einspringen müsste, sich lieber auf die Seite der Diebe zu schlagen scheint, um an deren Geschäftsmodell teilzuhaben (ohne Not und obwohl nicht mal klar ist, dass dabei überhaupt jemand nennenswert Geld verdienen wird) – von dieser überaus dreisten Plünderung mit staatlichem Schmierestehen vorerst nicht mehr als dieser (Ab)satz.

Worauf ich statt dessen gern die Aufmerksamkeit lenken würde: Wenn KI nun also auch in das ureigen Menschlichste einbricht, die Fähigkeit, Musik zu erzeugen – eine Fähigkeit, deren Großartigkeit zu guten Teilen gerade in ihrer scheinbaren evolutionären Zwecklosigkeit liegt –, wenn KI also das vermag, wozu dann noch Musik? Warum nicht »Hey Siri, mach harten Schranztechno«, und wir tanzen trunken wie weiland um die Siegessäule, Herzwaswillstemehr?

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Drei Gedanken hier: einer, der oft geäußert wird, aber nicht güldet, eine Prognose über die wahrscheinlichen Folgen von KI in der Musik und schließlich ein Gedanke, warum KI und Kunst in Wirklichkeit überhaupt nichts miteinander zu schaffen haben. Ad ungülden: Nicht güldet, dass man einen Unterschied zwischen mensch- und maschinengemachter Musik hören oder auch nur spüren könne. Kann man nicht. Wenn nicht jetzt schon nicht, dann in wenigen Jahren. Es sind die letzten Trümmer eines menschlichen Überlegenheitsglaubens, die sich in diesem Argument zusammenfinden. Die Wahrheit ist: Da ist nichts. Das Menschgemachte liegt nicht im Hervorgebrachten, sondern im Akt des Hervorbringens. Dazu gleich. Hier nur, dass der Stand der Technik so sein wird, dass die meisten menschgemachte Musik in einem Blindtest nicht von maschinengemachter Musik unterscheiden können werden. KI-Programme können früher oder später jede Musik so perfekt imitieren, inklusive aller Imperfektionen und aller »Menschlichkeit«, dass man diese Idee getrost vergessen kann.

Zweitens: Die Prognose lautet, dass man mit KI Gebrauchsmusik anfertigen wird. Gebrauchsmusik, das ist Musik, die wie Glutamat eingesetzt wird, Musik für Cafés, Bars, Fahrstühle, Kaufhäuser, manchmal auch Film- und Theatermusik, Hintergrundsmusik für Videos und Reportagen, Werbejingles. Musik also, deren Aufgabe vor allem darin besteht, Stimmungen zu verstärken. Wahrscheinlich werden KI-Programme auch zu einem der Hauptwerkzeuge für preiswert herstellbare »Konservenmusik« (aufgenommene Musik). Was mit Mikrofonen und Mischpulten etc. als Technik, um »dem Moment Dauer zu verleihen« begann, wird mittels KI wahrscheinlich zu einem endgültigen Split zwischen Live und Konserve führen. Das wird die Glutamatpreise abstürzen lassen und tatsächlich einige Musiker und Komponisten arbeitslos machen. Wo aber KI absehbar eine untergeordnete bis gar keine Rolle spielen wird: bei Livemusik und vor allem beim Selbermachen von Musik. Beim Musizieren.

Was mich zu meinem Hauptpunkt führt: Wozu lassen wir KI überhaupt Musik erzeugen? Was soll das? Sicher, am Anfang ist es Neugier: Lässt sich Musik in der Qualität professioneller Komponisten und Musikerinnen maschinell herstellen? Melodien, Arrangement, Sound, Gesang usw. – Geht das? Wir wissen nun: Wenn man genug Profis bestiehlt, können Maschinen das tatsächlich täuschend echt imitieren. Fein.

Doch warum sollte man sie das tun lassen? Möchte einer, der Gitarre spielen lernt, dass eine KI das Gitarrespiel für ihn performt? Möchte eine Konzertbesucherin maschinengemachte Musik erleben, die nichts will und nichts kann, außer in unendlichen Mengen und perfektem Klang auf sie einzuströmen, bis sie endlich nach Hause will? Der tiefere Sinn von Kunst ist nicht das Kunstwerk, sondern das Einander-in-Bezug-Setzen von Menschen zu Menschen. Das Werk ist nur Anlass, Ort und Substrat dieser Bezugnahme. Menschen interessieren sich für Menschen. Solange wir keinen triftigen Grund zu der Annahme haben, dass künstliche Intelligenzen ein Selbst besitzen, das sie mit Musik ausdrücken wollen, wird ihre Musik fundamental uninteressant bleiben. Absichtslose Hervorbringungen selbst der schönsten Dinge sind einmal keine Kunst. Es fehlt die Intention, es fehlt der Mensch, der uns etwas sagen will. Im Grunde steht’s ja da, eine Etymologiestudentin im ersten Semester hätte beim ganzen Wortaufwand längst milde lächelnd abgewinkt: kUNSt kommt von UNS.

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.08.2026, Seite 15, Natur & Wissenschaft

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