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Johanna Fernández – presente!

Die im Juli verstorbene US-Historikerin schlug eine Brücke zwischen akademischer Forschung und Bürgerrechtsbewegung. Ein Nachruf

Von Mumia Abu-Jamal
Foto: jW

Wenn ich daran zurückdenke, wie ich sie zum ersten Mal traf, als ich noch in der Todeszelle saß, fällt es mir schwer, diesen Text weiterzuschreiben. Es ist eine der schwierigsten Aufgaben, die ich je bewältigen musste.

Sie lehrte an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh, als David P. Demarest, ein Historiker der Arbeiterbewegung, mit dem sie befreundet war, sie zu einem Besuch des Todestrakts im nahegelegenen Staatsgefängnis Greene County in Waynesburg, Pennsylvania, einlud. Sie nahm die Einladung an, und als sie den Besuchsraum im Todestrakt betrat, war es, als würde ein dunkler, trostloser Raum plötzlich von einem Sonnenstrahl durchflutet. Johanna Fernández strahlte Brillanz, Schönheit, Intelligenz, Witz und Kraft aus.

Sie wuchs mit drei Brüdern auf. Wie alle Brüder stritten auch sie sich häufig – genau wie meine Brüder und ich. Wer konnte sie wohl wieder zusammenbringen? Johanna konnte das.

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Ihre jugendliche Entschlossenheit machte sie stärker und ermöglichte es ihr später als Erwachsene, so mutig zu kämpfen und sich durchzusetzen. Dabei folgte sie auch dem Rat ihres Mentors Manning Marable von der Columbia University. Er gab ihr die Worte Frantz Fanons aus dessen Meisterwerk »Die Verdammten dieser Erde« mit auf den Weg: »Jede Generation muss in einer relativen Finsternis ihre Mission entdecken und sie entweder erfüllen oder verraten.«

Johanna Fernández widmete sich zahlreichen Aufgaben und meisterte ihre Herausforderungen mit Brillanz und Anmut. So wie sie einst selbst von Mentoren betreut worden war, begleitete sie ihrerseits jüngere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei, in beiden Welten – der akademischen und der des politischen Aktivismus – ihren Weg zu finden und zu arbeiten. Jeden Tag zog sie ihre Uniform an – einen schwarzen Blazer und schwarze Hosen – und marschierte, so gerüstet, hinaus in die internationalen Kämpfe. Sie hinterließ Spuren in Bewegungen auf der ganzen Welt, in Frankreich, in Großbritannien, in Puerto Rico und weit darüber hinaus.

Sie ist leider viel zu früh von uns gegangen. Doch ihre Ausstrahlung und ihre Präsenz werden wir niemals vergessen. Unsere geliebte Schwester Johanna Fernández hat sich im Alter von nur 55 Jahren in die umarmende Obhut der Ahnen begeben.

→ Übersetzung: Jürgen Heiser

→ Mumia Abu-Jamal verfasste diesen Nachruf für die Gedenkfeier, die am Sonntag, dem 9. August 2026, in New York City viele Menschen in ihrer Trauer um die am 30. Juli verstorbene Compañera zusammenbrachte. Im jüngsten Newsletter von Prison Radio zitierte Jennifer Black am vergangenen Mittwoch die Ermahnung der drei Fernández-Brüder: Die Wirkung des Vermächtnisses ihrer Schwester hänge davon ab, »dass wir ihren Kampf weiterführen«. Es gehe nicht um ein »Johanna war«, sondern vielmehr um das »Johanna ist«.

»Sie war selbstbewusst und furchtlos«, erinnerte sich Abu-Jamal, als er sich per Telefon live an die Trauergemeinde wandte und sie auf das Abspielen seines aufgezeichneten Nachrufs einstimmte. »Sie bereicherte jeden Kampf, an dem sie teilnahm, und jeden Kampf, den sie untersuchte.« Ein Beispiel hierfür ist ihr Buch über die militanten »Young Lords«, die sich seit den 1960er Jahren in New York organisierten und das Selbstverständnis der puertoricanischen Jugend und anderer Latinos veränderten. »Sie waren Revolutionäre«, sagte Abu-Jamal. Fernández habe ihre bemerkenswerte Geschichte herausgearbeitet und in die Gegenwart geholt.

Jennifer Black betonte die »enorme Tragweite des Kampfes von Johanna für Mumias Freiheit«. Wer nun fragt, warum es wichtig sei, Mumia zur Seite zu stehen, dem sei geantwortet: »Wenn wir zulassen, dass der Staat im Fall von Mumia Abu-Jamal mit Mord davonkommt, dann erlauben wir ihm, es auch mit Menschen zu tun, die es heute wagen, für Gerechtigkeit einzutreten.« Dazu habe uns Johanna Fernández eine wichtige Lektion erteilt: »Unerschütterliche Solidarität ist die stärkste Form der Liebe, die wir zeigen können.« (jh)

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.08.2026, Seite 6, Ausland

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