Ruhe im Reich
Mit einem speziellen Geruchsstoff sorgen Nacktmullköniginnen dafür, dass es in ihrem Staat nicht zu Konkurrenzkämpfen kommt. Der Duft der Monarchin stelle sicher, dass nur sie selbst sich fortpflanzen kann – selbst dann, wenn sie mal nicht vor Ort sei, berichtet ein Forschungsteam um Gary Lewin vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin in der Fachzeitschrift Nature. Nacktmulle sind eine ostafrikanische Säugetierart. Sie werden bis zu 15 Zentimeter lang und bis zu 30 Jahre alt. Die Tiere haben eine kaum sichtbare Behaarung, außerdem auffallend große Schneidezähne zum Graben sowie Tasthaare. Augen und Ohren sind winzig. Nacktmulle gehören zu den ganz wenigen Säugetieren, die eine Königin haben, wie Ameisen oder Bienen in festen Kolonien leben, zusammen Futter beschaffen, den Nachwuchs aufziehen und sich gemeinsam Aufgaben für die Gemeinschaft widmen, wie es vom MDC heißt. »Für unsere aktuelle Studie wollten wir herausfinden, über welche biologischen Mechanismen die Königin ihre Alleinherrschaft aufrechterhält«, erklärt Neurowissenschaftler Lewin. Vermutet wurde, dass Duftstoffe eine Rolle spielen, auch weil Nacktmulle Tiere der eigenen und einer fremden Kolonie am Geruch unterscheiden können. Lewin und sein Team fanden heraus, dass ausschließlich die Königinnen die Chemikalie Isopropylmyristat verströmen. Wenn eine Königin sterbe oder die Kolonie verlasse, ihr Geruch also nicht mehr vorhanden sei, komme es innerhalb weniger Tage zu heftigen Kämpfen und neuen Sexualkontakten, erklären die Wissenschaftler. Versprühten die Forscher täglich Isopropylmyristat, herrsche hingegen Harmonie in der Gruppe. Die Substanz bewirke, dass alle anderen Weibchen der Kolonie unfruchtbar bleiben. So stellt die Königin sicher, dass nur sie selbst sich fortpflanzen kann. (dpa/jW)
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