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Nachschlag: Griff nach dem Balkan

Tito | Di., 20.15 Uhr, Arte

Foto: IMAGO/GRANGER Historical Picture Archive
Handschlag unter Konkurrenten: Der sowjetische Staatschef Nikita Chruschtschow begrüßt Marschall Tito (New York City, 26.9.1960)

Wenn sich Arte zeitgeschichtliche Themen vornimmt, ist Vorsicht geboten. Denn für den Sender hat der Kalte Krieg nie aufgehört. Das zeigt auch ein aktueller Dokumentarfilm über Tito – »den Mann, der Jugoslawien war«, wie es im Untertitel heißt. Darin wird der Marschall nicht allein als Architekt des sozialistischen Staatenbundes auf dem Balkan dargestellt. Zugleich soll er auch schuld an dessen späterem Zerfall gewesen sein. Doch zwischen Titos Tod 1980 und den Balkankriegen der 1990er Jahre lag mehr als ein Jahrzehnt. In dieser Zeit gewannen nationalistische Kräfte wieder Oberwasser. Angefeuert wurden sie nicht zuletzt von der BRD, die nach der feindlichen Übernahme der DDR sogleich wieder nach dem Balkan zu greifen begann. Der Filmregisseur Emir Kusturica hat es in seinem Film »Underground« 1995 treffsicher beleuchtet: Im kroatischen Zagreb wurden die Deutschen 1941 bejubelt, auf das serbische Belgrad ließen sie Bomben regnen. Ein halbes Jahrhundert später wiederholte sich die Geschichte. (jt)

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.05.2026, Seite 14, Feuilleton

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