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Festivalfilm

Schöne Worte

Falls Sie es nicht mitbekommen haben: Am Wochenende sind die Filmfestspiele in Cannes zu Ende gegangen, wo Kunstanspruch und Promiglamour in schönster Symbiose leben, wenn man dem Mythos glaubt. Feste glauben muss man auch an Toleranz und Meinungsvielfalt, so in etwa fasste Jurypräsident Park Chan-wook sinngemäß den Inhalt von Cristian Mungius Film »Fjord« zusammen. Für den erhielt der rumänische Regisseur nämlich die Goldene Palme, die den Cinephilen mal mehr wert war als alle Oscars zusammen. Mungiu erklärte sein Werk bei der Preisgala am Sonnabend zum »Bekenntnis gegen jede Art von Fundamentalismus« und für »Toleranz, Einbeziehung und Empathie«. »Schöne Worte«, wie ihm selbst auffiel, die »wir öfter in die Tat umsetzen« müssten. Ob Bekenntniskunst die Welt retten wird? In »Fjord« geht es jedenfalls um ein streng religiöses rumänisch-norwegisches Ehepaar, das mit seinen fünf Kindern in ein ruhiges norwegisches Dorf zieht und in Verdacht gerät, seine Kinder zu misshandeln. Tun sie’s, tun sie’s nicht? Genaues weiß man nicht. Ob der Film wirklich zum Denken anregt, erfahren Sie bald im nächsten Programmkino.

Auch prämiert wurden übrigens mit dem Großen Preis der Jury: Andrej Swjaginzew für »Minotaur«. Mit dem Preis der Jury: Valeska Grisebach für »Das geträumte Abenteuer« (»eine wichtige Anerkennung für den deutschen Film auf internationaler Bühne«, Kulturstaatsminister Wolfram Weimer). Für die beste Regie: Javier Calvo und Javier Ambrossi für »The Black Ball« (»La bola negra«) sowie Pawel Pawlikowski für »Vaterland«. Als beste Schauspielerinnen: Virginie Efira und Tao Okamoto für »All of a Sudden« (»Soudain«) von Ryūsuke Hamaguchi. Als beste Schauspieler: Emmanuel Macchia und Valentin Cam­pagne für »Coward« von Lukas Dhont. Für das beste Drehbuch: Emmanuel Marre für »A Man of His Time« (»Notre Salut«). (pm)

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.05.2026, Seite 10, Feuilleton

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