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15.05.2026
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Sand-in-die-Wüste-Streuen des Tages: Das Augsburger Modell
Angeblich führen alle Straßen nach Rom. Und das muss wohl stimmen, denn jetzt kommt es so, dass die Stadt Augsburg, die selbst eine römische Stadtgründung ist, ihre einst ausgegrabenen antiken Fundstücke nach Rom ausleiht. Ab Oktober möchte das Museo delle Civiltà (Museum der Zivilisationen) in Rom drei römische Grabreliefs (ca. 1.800 Jahre alt) ausstellen. Das wäre dann in etwa so, wie »Eulen nach Athen« tragen, weil die Eule seit der Antike das Symbol dieser Stadt ist. Da könnten wir auch Wasser in die Brunnen schütten oder Bier nach München exportieren. Verstanden?
Aber mal im Ernst, sollten wir die Bürger in Berlin, Oranienburg, Köln und Kiel nicht mit derselben Logik ein wenig entlasten? Gefühlt wird dort jede Woche eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg ausgebuddelt und entschärft. Bitte nicht falsch verstehen, wir müssen die Dinger nicht zwangsläufig über London abwerfen. Doch im Londoner Imperial War Museum wären die rostigen Klopper gut aufgehoben. Sicher, man müsste das Museum stark erweitern, wahrscheinlich wird man nicht umhinkommen, den ganzen Stadtteil Lambeth abzureißen, um Platz zu schaffen. Immerhin: Jährlich werden in Deutschland etwa 2.000 Tonnen Blindgänger gefunden. Nein, nicht der Bundeskanzler und die Ministerpräsidenten; ich meine Fliegerbomben, Granaten und Schweizer Messer.
Und wenn wir schon beim Reinemachen sind: Nach der sogenannten Wiedervereinigung wurden bis Mitte der Neunzigerjahre rund 35.000 Beamte aus dem Kolonialstammland (BRD) nach Deutschland-Nahost »entsandt«. Ohne Rückfahrkarte! Könnten wir die nicht nach dem Augsburger Vorbild verleihen? Gerne auch als Dauerleihgabe. Abschiebezentren haben wir ja genug. Die Operettenministerpräsidenten samt Hofstaat gleich mit! Und das ohne Flaschenpfand bei Rückgabe! Ich bitte inständig darum.
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