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Quälix Austria

Unschärferelationen

Quälix Austria

Foto: GEPA pictures/IMAGO
Der Ball ist kugelförmig, hat einen Durchmesser von 40 Millimeter und wiegt 2,7 Gramm

Es ist leider so: Betrachtet man Skandale in Österreich genauer, werden ihre Dimensionen, ganz frei nach Heisenberg, immer unschärfer. Beim ORF musste der Chef kürzlich gehen, weil ihm »sexuelle Belästigung« vorgeworfen wurde, von einer Untergebenen. Stellt sich heraus, dass sich nichts herausstellt: Eine eigens einberufene Kommission respektive Compliance-Stelle, wie es heutzutage so schön heißt, konnte eine Verletzung der »Compliance- und ethischen Standards« feststellen, aber keine »sexuelle Belästigung«; gehen musste der »General« trotzdem.

Auch beim österreichischen Tischtennisverband ÖTTV liegen die Dinge nicht so einfach. Hier wurde von seiten der Presse zunächst ein Missbrauchsskandal aufgedeckt; der härteren Art, denn er hat auf Opferseite mit Schutzbefohlenen, sprich Minderjährigen, zu tun. Dann hieß es, Verband und Funktionäre hätten den Fall zu lange ver- und den Tätertrainer gedeckt und nicht die richtigen Konsequenzen gezogen. Darüber sind inzwischen eine stellvertretende Vorsitzende und der Präsident, dem schon vorher von seiten der Spielerinnen und Spieler Vernachlässigung und psychische Gewalt vorgeworfen worden waren, zurückgetreten und der Sportdirektor abgewählt worden. Der immer noch amtierende Vizepräsident, der im Zentrum der Vorwürfe steht – er soll den Trainer wieder eingesetzt haben – und finanziell wohl auch von seiner Stellung abhängt, werde sich wie obiger General juristisch nach Kräften wehren. »Konsequenzen muss und wird es jedenfalls geben: sowohl falls es Verfehlungen gegeben hat, aber auch, falls sich herausstellen sollte, dass dieses heikle Thema für Machtkämpfe auf anderen Ebenen instrumentalisiert wird«, schreibt er auf Vereinsebene dazu.

Nun sollten einige Dinge klar sein: Sexuelle Belästigung geht nicht, Belästigung Schutzbefohlener schon mal gar nicht. Bei genauer Betrachtung wird aber auch der Fall ÖTTV immer unklarer. Warum tun sich da alle mit Aufklärung und Konsequenz so schwer, worum geht es wirklich? Gekostet hat der Skandal den Verband schon die Gelder des Sportministeriums, was mehrere Ausrufezeichen verdient. Mittlerweile waltet auch beim ÖTTV ein »Care-and-Compliance-Ausschuss«. Dazu werden neue Baustellen eröffnet, wo es um anderweitig missbrauchte Gelder geht. Der nächste Showdown folgt am 13. Mai in Klagenfurt, wo eine ordentliche Generalversammlung mit Neuwahlen anberaumt ist. Wir sind gespannt.

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.04.2026, Seite 16, Sport

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