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Der falsche Lange Marsch

Norwich. Was Mao konnte, konnte in kleinerem Maßstab schon der angelsächsische König Harald II. – dachte man bislang. Vor der Schlacht bei Hastings im Oktober 1066, in deren Folge der Normannenherzog Wilhelm II. England eroberte, soll Harald II. in einem Gewaltmarsch zur Südküste der Insel rund 320 Kilometer zurückgelegt haben. Denn im September 1066 war er noch damit beschäftigt, im hohen Norden Englands eine Invasionsarmee des norwegischen Königs Harald Hardråde abzuwehren. Nun hat der englische Historiker Tom Licence von der University of East Anglia herausgefunden, dass es sich bei dieser Erzählung eines »Langen Marsches« um einen Mythos handelt. Statt dessen sei Harald II. mit einer Flotte die Ostküste entlang gesegelt. Zustande kam die falsche Erzählung aufgrund einer Missinterpretation der Angelsächsischen Chronik durch britische Historiker im 19. Jahrhundert. Bei der Neuuntersuchung von Schriften aus der Zeit fand Licence jedoch mehrere Erwähnungen von Haralds Flotte, die Hunderte Schiffe umfasste. Im Gegenzug habe er »in den Quellen nach Beweisen für einen Gewaltmarsch gesucht und keine gefunden«, so ­Licence laut einer Universitätsmitteilung vom 21. März.(jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 31.03.2026, Seite 15, Natur & Wissenschaft

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