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24.03.2026
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Digitale Gewalt an Frauen
Schauspielerin Collien Fernandes wirft ihrem Exmann Christian Ulmen vor, ihr jahrelang digitale Gewalt durch KI-generierte pornographische Videos und Bilder angetan zu haben. Ihre Anschuldigungen, die der Schauspieler über seinen Anwalt bestreiten lässt, haben eine Welle der Solidarisierung ausgelöst. Mehr als 10.000 Menschen demonstrierten am Sonntag in Berlin gegen sexualisierte Gewalt im Internet und für entsprechende Gesetzesverschärfungen:
Mehr Schutz und härtere Strafen gegen Missbrauch seien richtig, aber wirkungslos ohne Bildung, Prävention und den Einsatz für Gleichberechtigung der Geschlechter, heißt es dazu in der Süddeutschen Zeitung. »Doch vor dem maßlosen Willen zur Macht, dem sich Frauen durch Männer immer wieder ausgesetzt sehen, schützt kein Gesetz und keine Polizei. Der muss weg, wenn Frauen wirklich frei sein sollen.«
Die Unterordnung von Frauen habe »System in diesem System, man nennt es Patriarchat«, schreibt Jagoda Marinić im Stern. Nun gelte es, ernst zu machen mit den Gesetzen und der Aufarbeitung. »Doch das Paradoxe ist: Wir brauchen uns gegenseitig. Der Wandel geht nur mit Männern. Ihr seid dran.« Das sieht auch Carolina Schwarz so: »Ich will mit Männern leben«, bekennt die Taz-Autorin. Doch wenn ein Zusammenleben funktionieren soll, sind jetzt die Männer gefragt. »Sie müssen unsere kollektive Wut teilen. Sie sollen hart werden im Kampf gegen jede Form von patriarchaler Gewalt und weich werden in ihrer Männlichkeit.«
Das Rechtsaußenblatt Junge Freiheit sorgt sich derweil um Einschränkungen der Meinungsfreiheit. »Die geballte mediale Aufmerksamkeit mutet in ihrer Machart nach einer öffentlichkeitswirksamen Kampagne an, um harte Strafen für ›Deepfakes‹ zu etablieren – und zwar nicht nur pornographischer Art«, verweist Katharina Schmieder darauf, dass insbesondere Politiker keinen Spaß verstehen, wenn ihre Bilder für satirische KI-Clips verwendet werden. Auch die Forderung nach Klarnamenpflicht im Netz werde jetzt mit »Promiturbo« vorangetrieben.
Bei aller Abscheu über das, was Fernandes und unzähligen Frauen ohne bekannten Namen im Netz angetan wurde und wird, sollten solche Befürchtungen – auch wenn sie von rechts artikuliert werden – nicht leichtfertig in den Wind geschlagen werden. Denn während ein wirklicher Kampf gegen sexualisierte Gewalt vom kapitalistischen Staat als Hüter patriarchaler Strukturen nicht zu erwarten ist, sucht dieser im Zuge des reaktionär-militaristischen Staatsumbaus nur nach Vorwänden zur weiteren Einschränkung demokratischer Rechte. (nb)
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
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